Golf von Korinth, der Osten, Teil 1, 5.11.-8.11.2018

Mistral

Montag 5.11.2018

Die Windräder auf den Bergen ringsherum zeigten an, dass da oben ein steifer Nordostwind wehte. Hier unten auf dem Wasser: ein leichter Südostwind.

 Mit Motorunterstützung fuhr ich nach Süden an der Insel Nisos Ampelos vorbei. 

Ein Haus steht darauf, eine Treppe windet sich vom Anleger zu diesem sehr einsamen Grundstück hinauf. 

In den Felsen am Südende konnte ich eine Höhle erkennen. Aber auf der Seekarte und auf Satelittenbilder sah ich keine Ankermöglichkeit, also dümpelte ich weiter der Sonne entgegen, die von Schleierwolken verdeckt wurde.

Mit halbem Wind aus Süd, später Südwest segelte ich weiter in Richtung Osten. Ein kleiner weißer Fender lockte mich an. Meist werden weiße Schwimmkörper ja von Fischern als Bojen verwendet. Dieser machte aber nicht den Eindruck, als wäre es eine Boje. Ich segelte nah dran vorbei, ja der Fender war herren, bzw. angelleinenlos. Eine Halse, hol dicht die Genua, Kescher vorbereitet, eine Wende und dann fischte ich den Fender im Vorbeisegeln aus dem Wasser. 

Gegen Mittag drehte der Wind etwas westlicher und ich segelte näher zum Ufer.

 Ich erkundete drei kleine Strände und umrundete eine Insel kurz vor der Bucht Paralia. Aber der Südwestwind blies hier hinein, das war mir zum Ankern zu unruhig.

Hinterm nächsten Kap an der Einfahrt zur Bucht Paralia leuchtete es türkis. Da war es flach und sandig. Direkt östlich der Halbinsel mit dem flachen Kap bot sich ein schöner, allerdings recht offener Ankerplatz. Eine kleine Bucht schloss sich daran an, aber die war tief, der Grund steinig. Nein, die war mir zu eng. 

Vor dem Ort Paralia könnte ich am Strand ankern. Dahinter erhebt sich allerdings ein fast 2000m hoher Berg. Ich befürchtete heftige Fallböen in der Nacht und entschied mich für den flachen, sandigen Ankerplatz. Ich fuhr das Boot so, dass die Ankerkette in West-Ost-Richtung verlief. Abends schlief der Südwestwind ein und ich erwartete die Fallböen in der Nacht aus Nord.

Zitat aus dem Logbuch:

„17:00, Windstille. Leichte Wellen bewegen das Boot. Das Kabel klappert ab und zu im Mast. Die hohen Berge spiegeln sich im Wasser; weiße Wolken wie Wattetupfer oben auf den Gipfeln. Die Windräder da oben rasen, die Wolken ziehen schnell nach Osten. Hier unten eine Stille – lautlos fliegt eine Möwe vorbei, mit langsamen Flügelschlag. Die Sonne brennt, neigt sich jetzt aber dem Horizont zu. Ab und an ein kühler Hauch. Über das Wasser höre ich Stimmen. Sie kommen von einem weit entfernten Fischerboot. Ein leichtes Plätschern der Wellen am Ufer, ein Glucksen aus dem Cockpitabfluß. Das Zirpsen eines kleinen Vogels dringt  aus dem Gebüsch am Ufer. Die Felsen färben sich rötlicher, die Schatten der Bergtäler werden länger. Platsch, ein Fisch springt.“

Dienstag 6.11.2018

Es war eine sehr ruhige Nacht. Der Wind drehte wirklich auf Nord in der Nacht, wehte aber nur leicht. Gegen halb 11Uhr ging ich ohne Motor ankerauf und setzte wegen der leichten Südwestbrise gleich Genua und Großsegel. 

Mit 3-4 kn segelte ich nach Südsüdost. Jippiheijey. Segeln wie ich und „Mistral“ es mögen! Es geht flott voran, leichter Wind, leichte Schräglage, keine Welle und das Glitzern der Sonne auf dem blauen Wasser voraus.

Vor dem Kap Tambourlo nahm der Wind etwas zu. Ich reffte das Großsegel, um die Schräglage zu verringern. Nachdem ich das Kap und die kleine Insel davor passiert hatte, änderte ich den Kurs und segelte nun mit achterlichem Wind nach Osten. 

Dabei deckte das Großsegel die Genua ab. Ich barg das Großsegel ganz und dümpelte bald im nachlassenden Wind in Richtung Golf Domvrainas. Südlich vor diesem kleinen Golf liegen zwei langgestreckte Inseln. Das glatte Wasser wurde vor der ersten Insel von einem dunkelblauem Streifen durchbrochen. Da ich mit Segeln nicht vorwärts kam, startete ich den Motor und nahm die Genua runter. Holla! Auf dem dunkelblauen Streifen waren Schaumkronen zu sehen! Da ging die Post ab. Ein starker Nordwind pfiff mit 4-5 Windstärken aus dem Golf, in den ich eigentlich hinein wollte. 

Ich änderte den Plan und hoffte auf einen Ankerplatz an der Südseite einer der Inseln. Die erste Insel, Fonias, fiel auf der Südseite steil ab. Also weiter! Zwischen den Inseln schob der Nordwind das Wasser schäumend und wogend hindurch. Wie ein Fluß wälzte sich das Wasser von Nord nach Süd. Tapfer stampfte die Mistral da durch. An der Westseite der Insel Makronisos gibt es eine kleine süße Bucht mit einem Felsen davor.

Aber bei dem Wind in eine so enge Bucht? Nein danke.! Schade, also weiter an der Südseite der Insel entlang zur nächsten Bucht. Der Wind kam hier nun von Osten! Ein tiefer Einschnitt, der zum Ankern einlud. 

Aber die Böen, die hier von Osten um den Felsen ofiffen hatten eine Geschwindigkeit von fast 30 kn! Schade, auch hier hatte ich kein gutes Gefühl. Was nun? Hinüber zu den Inseln im Süden? Aber der Ankerplatz dort war nur für gutes Wetter geeignet.

Ich entschied mich, zurück zu fahren. Ich drehte den Bug nach Westen und setzte die Sturmfock. Mit 3-4 kn sauste die Mistral, sich unter heftigen Fallböen schräg legend, an den Inseln entlang. Kaum hatten wir den Bereich des Golfs verlassen, ließ der Wind nach. Ich setzte Genua und Großsegel und konnte es kaum fassen! Leichter Westwind. Wie zuvor. Dümpeln im Sonnenschein, die Segel schlagen in den vom Golf auslaufenden Wellen. 

Ein Blick zurück: da war er wieder, der dunkelblaue Streifen! Bei den Inseln tobt der Wind hier Windstille. Ich fühlte mich irgendwie verarscht.

Ich ruhte mich aus. Das war ein heftiger Kampf gewesen, tapfere Mistral! Dann setzte am Kap Tambourlo die leichte Brise aus Südwest ein und ich segelte zurück. Nachdem die Fahrt allerdings unter 1 kn fiel nahm ich den Motor zu Hilfe. Um 16:20 Uhr fiel der Anker nach 18 Seemeilen an der gleichen Stelle wie am Vortag.

Mittwoch/Donnerstag 7.-8.11.2018

Mir steckte der Vortag noch in den Knochen, also machte ich einfach – nix.

Nicht zu tun, außer: Solarpaneel rausstellen, Fenderbrett optimieren, Datensicherung, Dinghy aufblasen und herumrudern, Strandwanderung ….

Von einem alten Haus steht nur noch das kleine Kapellchen

Das flache sandige Kap, dahinter die Mistral

Steine und Muscheln sammeln, nein nur gucken

Am Abend des 8.11. frischte der Wind auf und kam – aus Ost. Mist, somit lag ich auf Legerwall. 

Zwei mal weckte mich der Ankeralarm. Aber das war zum Glückbzweimal Fehlalarm, wegen fehlender Satellitenverbindung, gut erkennbar an den weit hinausragenden violetten Linien. Der Rest der violetten Linie, das Gewusel, zeigt, wie sich das Boot in der Nacht bewegt hat. Ich hatte einen Sicherheitsradius von 45 m vorgegeben, nach Osten zur Küste hin nur 40m. 

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Fallböen und eine neue Lieblingsbucht 3.-4.11.2018

Mistral

Samstag, 3. November

Nordwind war angesagt und ich hoffte, damit weit nach Osten segeln zu können. Die Nordküste des Golfes von Korinth ist stark eingeschnitten. Da sind erst einmal der Golf von Itea, östlich daran schließt sich eine weitere etwa 6 Seemeilen tiefe Bucht an, der Golf von Andikiron. Der wiederum ist so zerklüftet, da würde ich schon eine Anlege- oder Ankermöglichkeit finden.

Als ich jedoch aus der Bucht Anemokampi herauskam, war die Wasserflächevor mir spiegelglatt. Also motorte ich nach Südosten. Nach einer Weile setzte ein leichter Wind ein – von Südost. 

Ich setzte Genua und Großsegel und kreuzte gegenan. Der Wind wurde stärker, ich reffte das Großsegel.

Als ich mit dem frischen Nordwind am Kap Akra Makri-Nikolas vorbei segelte, erspähte ich dahinter auf einer Landzunge die erste Kirche in Griechenland mit blauer Kuppel. Auch die Berge machten hier einen kahleren Eindruck. Kam ich njn in die typisch karge griechische Landschaft, wie ich sie aus der Ägäis und Dodekanes kenne?

Mein Track vom 3.11.2018 – kreuzen gegen den Wind

Die große Bucht, der Golf von Andikiron ist von hohen Bergen umgeben und je tiefer ich in die Bucht hinensegelte, um so stärker wurde der Nordostwind. Zuerst konnte ich noch gut gegenan kreuzen, aber irgendwann wurde es zuviel für die Genua. Da es nur noch zwei Meilen bis Andikira waren, wollte ich bei dem Geschaukel kein Segel mehf wechseln sondern nahm die Genua weg und motorte durch die kurzen, bissigen, von Schaum gekrönten Wellen nach Norden. 25 – 30 kn Wind ist eine Menge für mein kleines Boot und der Motor brachte es bei dem Wind und der Welle nur auf 2 bis 2,5 kn Geschwindigkeit. 

So hatte ich genug Zeit, mir eine Anker- oder Anlegemöglichkeit auszusuchen. Andikiron hat zwar einen kleinen Hafen aber bei dem Wind würde ich da sehr ungeschützt den heftigen Böen ausgeliefert sein. Voraus liegt eine nette kleine Bucht, die war mir sympathischer. Aber als ich darauf zu fuhr, sah ich auch dort kleine Wellen mit Schaumkrönchen heraus rasen. Anscheinend pfiff der Starkwind auch da heraus. Und ankern in einer engen Bucht bei so viel Wind? Kein gutes Gefühl.
In einer etwas offeneren Bucht daneben mit Sandstrand waren zwei Fischfarmversorger an Bojen festgemacht. Zwischen ihnen und einem von Bäumen geschützten Bereich der Bucht war Platz genug zum Ankern, aber es war 50 m vom Ufer entfernt noch 12 m tief! Ich tuckerte langsam herum und fand eine Stelle mit 10 m Wassertiefe weit genug von Ufer und Fischerboot weg. Da ließ ich den Anker fallen und das Boot vom Wind treiben. Als sich der Anker eingegraben hatte, war noch 6-8m Platz zum Fischerboot. Ziemlich wenig! Doch ich war froh, einen einigermaßen geschützten Ankerplatz gefunden zu haben. Zwar drehten und zerrten auch hier die Böen am Boot. Doch ich hatte ein gutes Gefühl. Ich kochte mir mein Abendessen und beobachtete Windstärke und Schwojverhalten des Bootes. In der Dämmerung ließ der Wind  kurz nach. Die Chance nutzte ich und ankerte noch mal 10 m weiter. So war mehr Platz bis zum Fischerboot und ich schlief ruhiger.

Der Ankeralarm auf Tablet und Handy wachte mit, trotzdem sah ich in der Nacht ab und zu nach draußen und ließ ein paar Zentimeter Leine nach, damit nicht immer die gleiche Stelle der Leine beim Drehen des Bootes belastet wurde.

Sonntag 4.11.2018

Am nächsten Morgen war immer noch starker Nordostwind und ich wollte hier weg. Ein wenig weiter nach Osten ist noch ein Golf mit vorgelagerten Inseln, Ormos Domvrainas, den galt es zu entdecken, also Anker auf.

Mit Fock und stark gerefftem Großsegel segelte die Mistral in den quer kommenden Wellen nach Südosten. Das große Aluminiumwerk sah ich nur von Weitem. Man hatte es in diese unbedeutende Bucht gebaut, damit der von Touristen besuchte Golf von Itea nicht verschandelt würde.

Ich segelte an der Küste entlanv und hielt Ausschau nach Fallböen, die gut erkennbar an gekräuseltem Wasser und kleinen Schaumkronen, von den Bergen herunter stürmten.

In einem der Einschnitte voraus entdeckte ich eine Insel. Dahinter eine Bucht. Das sah ja intetessant aus. Auf den Satellitenbildern von Google Maps war in der Bucht heller Sand unter Wasser zu erkennen. Ich hatte zwar erst 5 Seemeilen zurückgelegt, aber das sah zu verlockend aus, um nicht mal einen Blick hinein zu werfen.

Ich barg also die Segel und motorte auf die Küste zu. Die Böen ließen nach. Ja, da gab es wirklich Sand unter mir am Boden.

Ich kreiste eine Weile und bemerkte, dass leicht Böen um die Kaps herum strichen, mal von Nord, mal von Süd. Sicher würde auch Wind von den Bergen herabwehen, zumindest in der Nacht. Das Boot würde vor Anker ständig herumgedreht. Mit Anker und einer Landleine könnte ich das verhindern. Also bereitete ich eine Landleine vor, indem ich meine längsten Leinen zusammen knotete und auch einen Fender daran band, denn meine Leinen schwimmen nicht. Taucherbrilke und Crocs lagen bereit.

Auf 6 m Wassertiefe warf ich den Anker und fuhr rückwärts in Richtung Strand. Als der Anker gut eingegraben war schwamm ich mit dem Leinenende zum Strand. Ein paar spitze Felsen boten sich an und ich band das Ende der Leine darum. Dann zog ich mich an der Leine zum Boot und holte noch zwei Fender, um die Landleine oben zu halten. Sie durfte sich auf keinen Fall um Steine oder Felsen am Boden verhaken und an scharfen Kanten durchscheuern.

Ich schwamm noch einmal ans Ufer, diesmal mit trockenen Sachn im wasserdichten Sack und freute mich über die Wärme am Strand und den Anblick meines Bootes auf dem glitzerndem Wasser. Über Stock und Stein kletterte ich herum und machte Fotos von dieser wunderschönen Bucht.

Ach, ich fühlte mich hier so wohl!

Meine neue Lieblingsbucht, in keiner Karte verzeichnet, ohne Namen. Ich hab sie für mich entdeckt. Jippiheijey!

Segeln im Golf von Korinth – Die Bucht Anemokampi 2.11.2018

Mistral

Freitag, 2.November 2018

Bevor ich Galaxidi verließ, besuchte ich das Nautische Museum. Ein kleines feines Museum mit archäologischen Ausgrabungsgegenständen und Abriß der Besiedlungsgeschichte die sehr, sehr weit zurückreicht. Hauptsächlich geht es aber um den Schiffbau. Tausende von Schiffen wurden auf den bis zu 5 Werften hier gebaut. Log- und Rechnungsbücher sind ausgestellt. Ausrüstungsteile von Schiffen, nautische Instrumente, Fotos und Briefe geben Einblick in eine blühende Zeit, in der hunderte von Schiffen in der Bucht vor Galaxidi ankerten. Außerdem gibt es eine gut gestaltete Briefmarken und Postkartenausstelkung mit informativen Erläuterungen.

Ich suchte noch den Gemüseladen, den Bäcker, den Feinkostladen  und einen Minimarkt auf, um mich neu zu verproviantieren. Dann legte ich ab.

Hallo Freunde! Auf dem Weg in die Nachbarbucht spielten zwei Delfine ums Boot. Ob sie die Nähe der Fischfarmen mögen? Zwischen diesen hindurch, an einer Fischfabrik vorbei fuhr ich in die Bucht Anemokampi, die guten Schutz für die Nacht versprach.

Einfahrt in die Bucht Anemokampi

Ich ankerte hier am Nachmittag neben drei Fischfarmbooten, die an Bojen festgemacht hatten. Mit dem Schlauchboot fuhr ich an Land, um zu der großen weißen Kirche oben auf dem Berg zu wandern.

In der Bucht Anemokampi

Der Weg führte steil hinauf an einem Hotel vorbei, wo Hunde kläfften und zwischen Büschen hindurch. Oben hatte ich einen guten Ausblick auf den Golf von Korinth und die Fischfarmen in Ufernähe.

Die Kirche war mit Mauer und Zaun umgeben. Neben dem Tor waren schöne Fliesen in die Mauer eingelassen.

Die Kirche Panagia Galaxa Thalasso Kratousa ist noch gar nicht so alt und ist dem Schutz derjenigen aus Galaxidi gewidmet, die weit weg von zuhause sind, vof allem den Seefahrern. Oh, da bin ich ja richtig hier. 

Leider war das schöne Tor geschlossen. Ich genoß die Stille und den weiten Blick von hier oben trotzdem. Unten in der kleinen Bucht wartete die „Mistral“ auf meine Rückkehr.

Leider strolchten auf dem letzten Teil des Rückwegs wilde Hunde um mich herum. In deren Gesellschaft fühlte ich mich gar nicht wohl und ruderte in die (Hunde) -sichere Abendstille auf dem Wasser.

Itea und das Orakel von Delphi 29.10.-1.11.2018

Mistral

Der Montag d. 29. Oktober war ein schöner, sonniger Tag. Morgens ging ich zum kleinen Supermarkt an der Ecke und kaufte frisches Brot und Yoghurt. Der schmeckt mit Honig besonders gut. Im Schiffsbedarf an der Hafenstraße erwarb ich eine neue Düse für den Wasserschlauch, eine neue Dose WD-40 Sprühöl und eine kleine LED-Stirnlampe. Ich habe zwar eine Stirnlampe, die ist aber dermaßen hell, dass sie 300m weit leuchten kann. Für Arbeiten direkt am Boot in der Dunkelheit ist sie aber zu hell.

Um 11 Uhr kam etwas Wind auf und ich legte ab. Der trieb mich hinaus in die Bucht und schlief bald ein. Herrlich warme Sonnenstrahlen und spiegelglattes Wasser. Das ist die Gelegenheit zum Baden. Einen Fender an einer langen Leine ins Wasser, Badeleiter runter und schon begann das Planschvergnügen. Baden, Haare waschen und am Boot schwimmen. Sommer!

Quelle: google maps

Zwischen Galaxidi und Itea liegen ein Kap einige Inseln. Am Kap hatte ich auf Satellitenbildern ein Loch und einen Unterwasserdamm zwischen zwei Inseln entdeckt. Das große Loch suchte ich nun vom Wasser aus.

Ein Loch in der Landschaft, von stacheligem Gebüsch und spitzen Karstgestein umgebene steile Felswände. Ein ideales Schutzgebiet fur Vögel. Etwa zehn Reiher hatten es sich auf den Felsvorsprüngen bequem gemacht und segelten vonbdort aus übers Wasser auf der Suche nach Beute.

Ich ankerte unweit des Unterwasserdamms zwischen den Inseln und schnorchelte hinüber. Leider war das Wasser hier sehr trübe, si dass ich kaum was erkennen konnte. Später erfuhr ich, dass es hier zwischen den Steinen viele Zackenbarsche geben soll. Die Stelle ist deshalb bei Anglern sehr beliebt.

Auf der Weiterfahrt nach Itea wich ich einem Frachter aus, der von der großen Verladestation am Nordufer kam. Dort wird das rote Gestein durchwühlt und Eisenerz verladen.

In Itea machte ich längsseits am Betonpier fest, James von der „Mai Tai“ half mir dabei. Das Boot hatte ich schon in Mesalongio gesehen. Damals half mir seine Frau beim Festmachen. Und schon waren wir im Gespräch und verbrachten einen vergnügten Abend miteinander. Ihr englisch war aber fur mich manchmal nicht so einfach zu verstehen. Ein Bekannter von ihnen kam abends dazu, Ronald. Nach seinem Akzent des Englischen, tippte ich darauf, dass er Deutscher sei und lag richtig. Er macht hier in der Gegend Baubetreuung für Windräder. 

Am Dienstag suchte ich die Bushaltestelle. Sie liegt direkt an der Hafenpromenade. Im KTEL-Büro erstand ich Fahrkarten fur die Hin- und Rückfahrt nach Delphi, 2 mal 2€. Dafür bekam ich eine sehr interessante Fahrt die Berge hinauf, mit Blick auf die weite Ebene von Itea voller Olivenbäume.

Die ganze Ebene dort unten ist voller, gut bewässerter Olivenbäume. Durch Fissa schlängelte sich der Bus auf engen Straßen nach Delphi hinauf zu einer Schnellstraße.

Straßen und Trinkwasserkanal

Ich entdeckte hier oben einen Kanal voll mit Wasser. Als ich in Delphi danach fragte, erzählte mir ein Restaurantbesitzer, dass dieser Kanal über 300 km weit Trinkwasser nach Athen befördert, teils oberirdisch, teils durch Tunnel. 

Im Ort Delphi angekommen, bot sich mir als Erstes ein beeindruckender Blick ins tiefe Tal hinab. Auch hier Olivenbäume am Grund, umgeben von steilen Felswänden.

300m weiter die Straße entlang liegt der Eingang zum Archäologischen Museum und dem Tempelareal von Delphi. 

Der Legende nach hatte Zeus von beiden Enden der Welt zwei Adler aufsteigen lassen. Da wo sie sich trafen, lag der Nabel der Welt. Das war hier in Delphi.

Der dem Gott Apollon geweihte Tempel war berühmt für sein Orakel. Dafür nahm die Pristerin Pythia über einer Erdspalte Platz, aus der wohl Dämpfe stiegen unter deren Wirkung mehr oder weniger eindeutige Antworten auf die gestellten Fragen zustande kamen. Berühmt ist die Antwort auf die Frage von Krösus, ob er einen Krieg gegen die Perser führen soll. Die Antwort war: Wenn Du in den Krieg ziehst, wirst du ein großes Reich zerstören. Er interpretierte die Antwort für sich, zog aus, unterlag und zerstört wurde sein eigenes Reich.

Blick auf Amphitheater, Säulen des Apollotempels und ein Schatzhaus

Viele Städte, Einzelpersonen und Gesandschaften brachten Geschenke, ließen Kunstgegenstände anfertigen und schenkten sie dem Heiligtum. Der Weg zum Tempel war gesäumt von Schatzhäusern. 

Eines der Schatzhäuser

Oberhalb der Tempelanlagen liegt ein Stadion. Hier fanden um 500 v.Ch die Phytischen Spiele statt, erst musikalische, schauspielerische, später dann sportliche Wettkämpfe. Aus allen Teilen Griechenlands reisten begeisterte Menschen an und brachten der Stadt und dem Heiligtum Reichtum.

Das Stadion

Was mich begeisterte, war der tolle Ausblick von hier. Immer wieder boten sich wunderschöne Blicke hinaus ins Tal.

Das Museum ist sehr gut gestaltet, die Informationen und Ausstellungsstücke sind zweitlich übersichtlich platziert. Es gibt viele Informationen zum zeitlichen Ablauf der Besiedelung und zum Heiligtum, einschlieslich der Ausgrabungen. Ich besah mir kleine und große Gestalten.

Anschließend suchte ich mir ein kleines Restaurant und schlenderte anschließend durch das Städtchen bis der Bus kam und mich zurück nach Itea brachte.

Müde, aber gesättigt mit Eindrücken erreichte ich mein Boot. 

Am nächsten Tag rollte ich mit dem Rad durch Itea und einen Teil des riesigen Olivenhaines in der Umgebung.

Am Abend traf ich Holger auf seinem Boot „Blue Lady“ und wir schwatzten bei Tsipoura und Keksen bis Freunde von ihm vorbei kamen. Von ihnen erfuhr ich vin den Zackenbarschen am Damm zwischen den Inseln. Holger holte seine Gitarre raus und spielte und sang, unter anderem „My bonny is over the ocean“. Er spielte und sang aber eine seltsame Melody und Rhythmus, achso, er jazzt. Am nächsten Morgen flog er nach Deutschland für einen Auftritt der „Happy Jazzers“ in Hamburg. Na dann, gute Reise!

Sonnenuntergang mit Blick von der „Blue Lady“ auf die „Mistral“

Am nächsten Morgen hinterließ mir Holger kurz vor der Abreise einen knallgelben Jogginganzug. Das schöne daran: auf dem Oberteil steht mehrmals „mistral“. Den nahm ich doch gerne an!

Ein kleines Kreuzfahrtschiff im Hafen von Itea

Es war ein diesiger Tag, wenig Wind und viel Luftfeuchtigkeit. Ich motorte und dümoelte von Itea in Richtung Galaxidi und nutzte das warme Wetter unterwegs wieder zum Baden und waschen. Georgia, die Hafenmeisterin kassierte wieder 5€/Nacht nachdem ichbzwischen „Green Dragon“ und „Merv“ festgemacht hatte. Meine Nachbarn sind schon gute Bekannte. Das war fast wie Nachhausekommen.

Rundgang in Galaxidi am Abend

Galaxidi 27.-28.10.2018

Mistral

Samstag 27.10.2018

Gegen 11 Uhr legte ich von Trizonia ab und setzte kurz nach der Hafenausfahrt die Genua. Mit frischem achterlichen Wind segelte ich nach Osten. 

Im Slalom ging es zwischen den Inselchen hindurch, die östlich von Trizonia liegen, dann immer am Nordufer des Golfes entlang.

Zwei Kaps musste ich heute passieren. Es ging richtig flott voran und nach 5 Seemeilen lag Kap Psaromya um 12:30 Uhr querab.

10 Seemeilen weiter lag Kap Andromadi, das ich 14:40 Uhr passierte.

Wie klein doch der Leuchtturm im Vergleich zu den riesigen Windräder wirkt! 

Hinter Kap Andromadi drehte ich nach Norden in den Golf von Itea. Eine flache Wolkenbank lag über den hohen Bergen oberhalb von Itea und dem antiken Delphi.

Gleich hinter dem Kap gibt es eine kleine Bucht, die ganz nett sein soll. Leider ist die Einfahrt dorthin gespickt mit Fischfarmen. Der Wind blies sehr heftig aus dieser Bucht heraus, so dass ich mich entschied, abzudrehen und nach Galaxidi zu fahren. 

Ich suchte mir eine Lücke zwischen dem Segelboot „Green Dragon“, das ich schon in Mesalongio gesehen hatte und einem kleineren Segelboot aus und machte den Heckanker, die Bugleinen und die Fender klar. Ich sah, dass die Besatzung der „Green Dragon“ mit ihren Leinen hantierte. Als ich in die Lücke einfahren wollte wurde ich gebeten, zu warten. „Five minutes!“ Kein Problem, so drehte ich in aller Ruhe meine Kreise und sah mir Galaxidi vom Wasser aus an. Das Städtchen machte einen netten Eindruck mit der Kirche, die über den Dachern trohnt.

Dann war ich fest und die netten Franzosen von der „Green Dragon“ dankten für meine Geduld. Sie waren in Delphi gewesen und ihr Boot hatte sich im steifen Westwind seitwärts bewegt. Sie haben deshalb so lange mit den Leinen hantiert, weil sie es neu befestigen mussten. Auf meiner anderen Seite lag Geoffrey mit seiner „Merv“, ein netter englischer Herr. Nachdem die resolute, fröhliche Hafenmeisterin Georgia die Liegegebühr (4,60€/Tag +5€ Strom+Wasser) kassiert hatte, gab es zur Feier des Tages Popcorn. 

Ich hatte endlich raus, wie ich es im Topf ploppen lassen konnte: Etwas Öl in den Topf und die Gewürzmischung (ich mischte Salz, Chili und Pfeffer), den Topfboden bedeckt mit Maiskörnen. Die Gasflamme nicht zu stark und nach einer Weile poppte das im Topf, dass es eine Freude war. Die weißen Flocken näherten sich immer mehr dem Deckel und bei den letzten Plopsen hob der sich sogar ein bischen an. 

Ein paar Boote weiter lag ein riesiger Katamaran. Am Bug prankte ein blauer Hundekopf und der Bootsname war „Sea Wulf“. Hmm, den hatte ich doch schon mal gesehen! Ja, in der Cala Portinatx auf Ibiza. Am Tag als es die Grillparty auf dem 47″-Katamaran von Pierre und Ann Sofie aus Belgien gab und Peer von der „Second life“ das Catering Taxi machte. Damals war die Crew der „Sea Wulf“ im Dinghy an meinem Boot vorbeigerudert und wif hatten small talk gemacht. Frederic und Martha und der 14-jähruge Hund Ginger. 

Und nun, am anderen Ende des Mittelmeeres traf ich sie wieder!

Sonntag, 28.11.2018

Was ich befürchtet hatte, und weswegen ich eigentlich nicht am Samstag in einem Stadthafen liegen wolkte, traf ein. Von 2 bis 5 Uhr morgens dröhnte aus der Kneipe Livemusik. Da ich müde war, lag ich schon um 10 Uhr abends in der Koje und hatte fast ausgeschlafen, als die Musiker loslegten. Ich suchte mif ein Buch auf dem Tablet raus und las. Die Musik war echt gut, Gitarren, Pop- und Rocksongs auf griechisch. Von 5 bis 9 Uhr schlief ich dann noch einmal. Als ich mit dem Frühstück fertig war, war es zu spät, um mit dem Bus um 10 Uhr nach Delphi zu fahren. Ich stöberte in meinen Chats und in facebook herum und las den Hinweis, ja nicht zu vergessen, die Uhren auf Winterzeit umzustellen. Ach ja, da war ja was! Ich drehte an der Uhr, schon wieder 9:50 Uhr! Da hätte ich den Bus ja doch nehmen können!

Insgeheim war ich froh, dass ich nicht an diesem sonnigen Tag nach Delphi gefahren bin. Mein Kopf  dröhnte etwas, die Nebenhöhlen muckerten. Es fühlte sich an wie eine kommende Erkältung.

Auf dem Kai war ein Hin- und Herpromenierem im Gang, dass es eine Freude war. Alte Leute saßen auf der Bank vor meinem Boot, Familien schoben mit Kindern und Kinderwagen vorbei, hielten ein Schätzchen und promenierten weiter. 

Was war denn hier los? Ann half mir weiter: heute war „No-Day“ oder auch „Ochi-Tag“. 1940 hatten die Griechen ein Ultimatum von Mussolini abgelehnt und wurden somit in den Krieg hineingezogen. In vielen Städten wurde dann gegen den Einmarsch der Italiener protestiert, deshalb „Ochi“.

Vor den Segelbooten nahmen dann die Schulkinder Aufstellung und marschierten getrennt in Jungen- und Mädchengruppen die Straße entlang. 

Strammen Schrittes ging es an einer kleinen Tribüne vorbei, wo die Stadthoheiten standen und den Kindern und Jugendlicgen applaudierten.

Am kleinen Platz am Ende des Hafenbeckens zerstreute sich der Aufmarsch und aus den stramm Marschierenden in Uniform wurden wieder Kinder, einen Luftballons oder ein Eis bekamen.

Ein Geländer weckte meine Aufmerksamkeit, da waren doch Kreuzknoten geschmiedet worden. Welch eine originelle Idee!

Galaxidi sah an diesem herrlichen Tag wunderschön aus. Am dem Hafenbecken gegenüberliegenden Ufer wurden in den Gaststätten die Tische gedeckt in Erwartung des Ansturms hungriger Gäste. Dahinter erhebt sich ein, von Pinienwald bedeckter, Hügel mit Wanderwegen. Da wanderte ich am Nachmittag herum.

Schöne Ausblicke auf den Golf von Itea boten sich mir und ein Blick durch ein geschlossenes Tor auf eine alte Windmühle.

Die Insel Trizonia 25.-27.10.2018

Mistral

Am nächsten Morgen hatte der Wind gedreht und blies von achtern ins Cockpit. Ich ging von Steg zu Steg und sah mir die Boote an. Da lag doch ein Segelboot, das hieß „Susanne“. Ein toller Anknüpfungspunkt, um mit den Seglern ins Gespräch zu kommen: „Hallo Susanne, I’m Susanne“.  Anne und Steward hießen mich an Bord willkommen und gaben mir wertvolle Tipps zum Segeln im Golf. Sie empfahlen mir einen Liegeplatz an ihrem Steg. Da gäbe es noch freie Mooringleinen, die an den dicken Ketten auf dem Hafenboden befestigt sind. 

Knackige, reife Mandeln

Mich hatte aber gerade die Wanderlust gepackt und ich ging auf Entdeckungsreise. So ein herrlich warmer Tag! Der wollte genutzt sein. Ich wanderte bergauf und entdeckte Mandelbäume. Da hingen doch tatsächlich Mandeln dran. Eine  graue, trockene Hülle umgab den Mandelkern. Mit einem Stein haute ich auf die Naht und siehe da, eine herrlich knackige Mandel kam hervor. Ich naschte vier, fünf Stück, dann ging ich weiter.

Ups, was ist das? Alpenfeilchen am Meer? Lustig, in großen Büscheln und einzeln reckten ihre zartrosa Blüten aus der roten, von trockenem Gras und Laub bedeckten Erde. 

Ein Stück weiter – ein Eichelbusch mit zackigen Blättern. Ich freute mich über die vielen kleinen Schönheiten. Ach war das schön hier!

Ein Zaun mit großem Schild und offenem Tor umsaumte ein Gebiet mit Oleander. Hmm, was hatte das für eine Bedeutung? Ich wanderte am Zaun entlang.

Rote, brüchige Felsen säumten den Weg. Daher stammte also die viele rote Erde! Oben auf einem Berg entdeckte ich zwrei Olivenbäume mit gemeinsamer Krone. Ich sammelte zwei Plastikstühle ein und platzierte sie darunter.

„Zweisamkeit“ nenne ich das Bild.

Ich machte mich durch die Wildnis an den Abstieg. In der Ferne sah ich Häuser, Zypressen ragten in den Himmel. Das sah so …italienisch…aus hier. 

Ein wunderschöner Blick über den Golf von Korinth! Doch huch, vor meinen Füßen plötzlich Blüten. Ja so was, das sind ja Krokusse! Ist hier Frühling?

Das gefiel mir! Warme Luft, Sonnenschein, Blüten, eine grüne Insel und tolle Ausblicke übers Wasser. Ich atmete tief ein und aus. Ich genoß alles!

Dann wanderte ich hinab zu den Häusern. Da unten soll es laut Anne und Steward einen roten Strand geben.

Ja, da ist er. Whow, welch ein Reichtum an Farben! Begeistert wie ein Kind wühlte ich in den roten Kieselsteinen.

Kurz nach mir trafen auch Anne und Steward hier ein. Sie hatten Decken und Bücher mit und machten es sich hier bequem. Wir unterhielten uns kurz, dann wanderte ich weiter. 

Ein gelber Schmetterling flatterte von Blüte zu Blüte und ließ sich nur sehr schwer fotografieren, kaum näherte ich mich, flatterte er davon.

Ein großer blühender Busch entpuppte sich als Heidekraut. Durch die Wildnis strolchte ich auf kaum erkennbaren Pfaden bis zum nächsten Strand.

Beim Anblick all des angeschwemmten Mülls verstand ich, warum Anne den Strand garbage-beach genannt hatte. Der Weg bis zum Dorf zog sich hin. Es war heiß und meine Flasche Wasser war alle.

Die bunte Gestaltung des Eingangs zu einem Grundstück am Hang ließ mich schmunzeln. Schön gemacht. Dann konnte ich von einem kleinen Hügel den Hafen erkennen.

Im Hintergrund die Hohen Berge sind 1500 m hoch, im Winter sicher schneebedeckt. Ob ich das noch sehen werde oder ob ich dann schon weitergesegelt bin?

Im Vordergrund die Müllsammlung. Ob das mal ein großes Feuer gibt oder ob das alles in die aufgestellten Mülltonnen hinein kommt? 

Ich verholte mein Boot an den Steg und ging nach dem Obulus an den Hafenmeister und einer kleinen Erholungspause in den Ort zum Abendessen. Hier traf ich dann in der Taverne „Kalypso“ ein dänisches Ehepaar vom Zweimaster und Anne und Steward wieder.

Am nächsten Tag wanderte ich zur Südseite der Insel. Dort entdeckte ich zu meinem Bedauern einen toten Delfin in den Felsen.

Armer Freund.

Hinter einer Felsengruppe suchte ich mir ein windstilles Plätzchen und genoß die schöne Aussicht auf den Golf. Der Wind blies heute frisch. Gut, dass ich noch einen Landtag eingelegt hatte.

Am Nachmittag wanderte ich um den kleinen Ort herum, immer am Wasser entlang. Am flachen Nordhafen, wo auch das Wassertaxi anlegt, schwappten die Wellen und ließen die Boote tanzen. 

Ein wunderschöner Wanderweg begann an der Kirche und führte zwischen Friedhof und Meer immer am Ufer entlang. Es war sehr ruhig und friedlich hier. Der Wind wehte hier nur schwach und raschekte in den Piniennadeln und Gräsern. Die Abendsonne färbte das gegenüberliegende Festland und den Ort  mit weichen Farben. 

Segeln in den Golf von Korinth unter der Rio-Andirrio-Brücke hindurch 24.10.2018

Mistral

Am Mittwoch 24.10.2018 um 10 Uhr warf ich die Leinen in Patras los und fuhr auf die andere Seite der Mole. Hier am Kai gab es Mooringleinen und Säulen für Wasser und Strom. Ich legte längsseits an, so lag der Bug gegen die Wellen und der Wasseranschluß dicht am Kai. Für die Säulen benötigte man eine elektronische Karte. Ich fragte die Herrschaften mit den orangen Westen am Wachhäuschen und die verwiesen mich zum Hafenbüro 200m weiter nördlich. Ich wanderte an einem zerfallenen Lager- oder Bürohaus entlang, von dem nur noch Säulen und ein Dach standen. Dahinter gab es einen Bürocontainer. Ein sehr dicker Herr fragte nach dem Bootsnamen und meinem Begehr. Als ich sagte, ich hätte schon vier Tage auf der anderen Seite der Mole gelegen und bräuchte nun Wasser, fragte er seinen genauso dicken Kollegen im Nachbarraum etwas in polterndem Griechisch. Dann telefonierte er und erklärte mir, in 5 Minuten käme jemand für die Karte. Ich checkte solange noch mal die Windvorhersagen: Nordostwind, der später auf Nordwest bis West drehen sollte. Da ich bis zur großen Rio-Andirrio-Brücke an der schmalsten Stelle gegen den Nordostwind kämpfen müßte, hatte ich es nicht eilig. Ein jüngerer Mann kam,  kassierte 5€ und begleitete mich zur Säule. Er brachte das Wasser zum Fließen und verschwand wieder. Ich füllte in Ruhe den Wassertank und alle meine Kanister und die 5-l-Plastikflaschen. Die sind ganz praktisch zum Einfüllen von Wasser in den Teekessel oder Kochtopf.

Eine Stunde hatte die ganze Prozedur gedauert. Nun aber weg hier!

Tschüß Patras!

Das Wasser im Golf von Patras tobte, da der steife Wind kurze, steile Wellen erzeugte. Unter Motor kam ich aber stetig voran. Den Anker hatte ich diesmal vom Bugspriet weggenommen und an Deck befestigt. 

Stetig näherte ich mich der tollen Pylonbrücke, die eine sehr interessante Bauweise hat. Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, muss sie doch Schiffsaufprall,  Erdbeben und Starkwind aushalten und außerdem die stetig wachsende Entfernung zwischen Festland und Peleponnes überbrücken. Wer nachlesen möchte: Rio-Andirrio-Brücke

Die Fahrbahn liegt nicht auf den Stützen auf sondern hängt nur an den Stahlseilen.

5 Seemeilen vor der Brücke meldete ich mich per UKW-Funk auf Kanal 14 bei „Rio-Traffic“ und bat um Erlaubnis, die Brücke passieren zu dürfen. Die Anwort erfolgte promt mit der Frage nach Bootslänge, Masthöhe und Fahrtrichtung. Nach meiner Antwort wurde mir der südliche Kanal zugewiesen: „Let one pillar right, three pillars on your left side. Please contact us again in the distance of 1 mile.“

Das tat ich natürlich, bekam den Kanal bestätigt und motorte langsam unter der Brücke hindurch. Ich hatte die südliche Durchfahrt für mich, konnte so in aller Ruhe das gigantische und doch filigran wirkende Bauwerk bewundern.

Zweieinhalb Kilometer ist die Meerenge hier breit. Um 12:10 Uhr lag die Brücke hinter mir. Ich motorte noch drei Seemeilen weiter und setzte dann Segel. Mit mehreren Kreuzschlägen ging es gegen den Wind in den Golf von Korinth hinein.

Und was machen meine Freunde, die Delfine? Kommen und begrüßen mich. Hallo!

Ich hatte überlegt in den kleinen Hafen Navpaktos zu segeln aber der steife Gegenwind dort in der Bucht gefiel mir nicht, ich segelte weiter gen Osten. Die Insel Trizonia lag in 10 Seemeilen Entfernung, gut erreichbar. 

Lustigerweise schlief der Wind am Nachmittag ein und ich dümpelte eineinhalb Stunden herum. Ich genoss die Wärme nach dem kühlen Wind, ging Baden und wusch mir die Haare.

Die Insel Trizonia voraus.

Dann drehte der Wind endlich auf West und frischte wieder auf. Nur mit Genua näherte ich mich im Abendlicht der Insel Trizonia.

In der Enge zwischen Festland und Insel brieste es noch mal so richtig auf und ich musste Slalom segeln, um den vielen kleinen Fischerbooten auszuweichen, die sich hier treiben ließen. 

Ich hatte überlegt, neben dem Hafen in der Bucht zu ankern, aber der Hafen sah so leer aus und ich war froh, dass ich einen Liegeplatz mit dem Bug gegen den Wind ausmachen konnte.

Ein Segler half mir beim Anlegen, aber er hielt das Boot im Übereifer so unglücklich, dass es eine Schramme am Rumpf gab. So weit vorne hatte ich leider nicht genug Fender ausgehängt. Der Betonkai war aber auch grob, lauter fiese Steine stachen hervor.

Zum Glück war die Schramme nicht tief, fast nicht zu sehen. Dann war das Boot fest im Hafen von Trizonia.

Am Ufer stapelten sich Äste und Bretter. Darunter fand ich ein Brett, das ich als Fenderbrett benutzen konnte. Fix zwei Seile angeknotet und zwischen Beton und Fender gehängt. Das war schon viel besser!

Der Hafenmeister Panos kam herbeigeradelt und kasdierte 5€ für eine Nacht. Er erzählte, dass in zwri Wochen hier Strom und Wasser verlegt werden. Da bin ich aber gespannt. Ob das wohl „griechische“ zwei Wochen werden? Na ja, Zementhaufen sind am Ufer ja schon aufgetürmt.

Von Meganisi nach Patras 16.-23.10.2018

Mistral

Dienstag, 16. Oktober 2018

Glitzerndes Wasser, kaum Welle und ein leichter Wind – herrlich! 

Unter vollen Segeln gleitet mein Boot dahin. Mit 3 bis 4 kn segelt die „Mistral“ gemütlich gen Süden. Meganisi liegt hinter mir, an Backbord voraus erheben sich die hohen Berge von Kalamos. Mein Ziel ist die kleine Insel Formikoula, westlich von Kalamos Südspitze. 

Ich fand eine sandige Bucht an der Ostseite der Insel, wo ich ankern konnte. In Navionics las ich einen Hinweis auf riesige Mäuse, groß wie Ratten, die auch zum Boot schwimnen würden. Aus einer PET-Flasche baute ich deshalb schnell einen Rattenabweiser für die Ankerleine.

Mit dem Schlauchboot ruderte ich durch das türkisfarbene Wasser an Land. Ich konnte mich gar nicht satt genug sehen an diesen Farben! Am Strand zog ich eine lange Hose und feste Schuhe an, sah mir die Insel doch sehr zugewachsen aus.

Ich kämpfte mich durch stachliges Gesträuch zum kleinen Leuchtturm hinauf und hatte einen tollen Blick in die Bucht. Im Hintergrund liegt Kastos und ganz am Horizont erkennt man die nächste Inselgruppe, die Echinaden. Weit kam ich nicht auf der Insel, sie war komplett zugewachsen. Riesenmäuse entdeckte ich auch nicht. Ich suchte zwischen den Büschen nach dem Rückweg und kam bei der großen Pinie raus.

Dieses helle Grün vor dem blauen Himmel! Ich glaube, ich bin süchtig nach Farben. Immer wieder kann ich mich daran begeistern. Auch der Blick in das klare Wasser der kleinen Bucht ist toll.

Aber zum Übernachten war mir diese Bucht zu klein und zu offen. Leider war der schöne Segelwind eingeschlafen. 

So motorte ich nach Kalamos hinüber und in die Bucht Port Leone, wo „Elmo“ und „Mistral“ das erste Mal in griechischen Gewässern nebeneinander geankert hatten. Ich ankerte einfach wieder an der gleichen Stelle.

Mittwoch 17. Oktober 2018

„Mistral“ mit neuem Solarpaneel

Am Morgen stellte ich das neue Solarpaneel auf und ruderte einmal um die Bucht. Neugierig stieg ich zu den verfallenen Wachtürmen hinauf. 

Da hatte aber jemand ein tolles Steinmännchen gebaut. Mir fielen die unterschiedlichen Grillen auf; es gab graue und rote.

Am Strand band ich das Schlauchboot an einem Stein fest und stieg durch einen Olivenhain zum verlassenen Dorf hinauf.

Viele Ruinen, doch die Kirche und ein Haus im Ort sahen gut gepflegt aus, einige Olivenbäume waren grad beschnitten worden.

Mir fiel auf, dass einige Oliven glänzten. Ja, die waren richtig ölig. Hmm, wie macht man jetzt daraus Olivenöl?

Ich pflückte ein paar und hatte sofort ölige Finger. Dann kehrte ich zum Boot zurück.

Um 13:30 Uhr setzte ich Segel und ließ mich vom Westwind an Kalamos Küste entlang nach Osten schieben. Der kleine Ort Kalamos sah sehr grün aus, richtig nett.

Doch ich bog ab nach Süden und segelte zwischen Kastos und der kleinen Ziegeninsel hindurch.

Hinter Kastos ließ der Wind allmählich nach und ich musste den Motor starten und die letzte Stunde nach Marathia, einer Bucht am Festland motoren.

Das Wasser in dieser Bucht war nicht besonders klar aber schön flach und der Untergrund Schlamm. Darin hält der Anker besonders gut. Oberhalb der Bucht verläuft eine Straße. Auf dem Bild kann man sie gut erkennen, denn dafür wurde viel Fels weggesprengt. 

Ich ruderte zu einer kleinen Anlegestelle und wunderte mich über die betonierten Stufen. Die führten zu einem Pfad, über den man zum Strand gelangte. Später sah ich, wie ein Motorboot Arbeiter von den Fischfarmen an Land brachte. Die hatten ihr Auto am Strand geparkt. Der war nicht besonders sauber und ziemlich schlammig. Ein Franzose saß vor seinem Camper am Ufer, trank Wein und zog sich schnell was über, als er mich entdeckte. Dann machten wir ein wenig small talk über woher und wohin. Hinter uns summte es in einem alten Baum. Bienen flogen zwischen den gelben Blüten umher.

Was ist das für ein Baum?

Ich ließ mich vom ablandigen Abendwind zum Boot zurücktreiben und genoß die Stille.

Donnerstag 18. Oktober 2018

Heute wollte ich durch die Echinaden segeln. Das sind etwa 20 unbewohnte Inseln und Inselchen. Die Durchfahrt wird durch Fischfarmen erschwert, die in den geschützten Gewässern verankert sind.

Auch Fähren fahren, vom Festland kommend, zwischen den Inseln hindurch. Die Navigation und der anfangs etwas heftige Wind beanspruchten meine ganze Aufmerksamkeit.

Doch der Wind ließ nach und ich konnte unter vollen Segeln nach Süden rauschen.

Für die Nacht hatte ich mir als Ankerplatz eine große flache Bucht ausgesucht, Limin Petalas. Hier hatten die „Elmos“ den Hurricane/ Medicane abgewettert. In 4m tiefem, schlammigen Grund hält der Anker hervorragend.

Ich ruderte am Ufer entlang auf der Suche nach einer Höhle, von der ich gelesen hatte. Aber sie war hoch oben an der Steilwand, ich hatte keine festen Schuhe an und ein alter schwarzer Ziegenbock bewachte die Anlegestelle. Da ließ ich die Höhle eben unbesichtigt.

Als ich mit 422 Ruderschlägen zum Boot zurückkehrte hatten noch zwei Segelboote geankert. Müde vom Segeln und Rudern genoß ich nach dem Abendessen die Nacht. Auf dem glatten Wasser spiegelte sich der Mond. Ab und zu sprangen Fische in die Luft und fielen platschend zurück ins Wasser, kleine Wellenringe hinterlassend.

Freitag 19.Oktober 2018

Ein frischer Ostwind erlaubte es mir unter Segeln abzulegen. Am Ausgang der Bucht fielen mir wieder die vielen Fischfarmen auf. Ein flacher Kahn, auf dem dich Plastiksäcke mit Fischfutter stapelten, bahnte sich mühsam seinen Weg durch die Wellen.

„Futter bei die Fische“

Nach 8 Seemeilen erreichte ich die Insel Oxia.

Der Leuchtturm von Oxia

Hier bog ich ab nach Osten. Tschüß ionisches Meer, Hallo Golf von Patras!

Hier biegen auch die Fährschiffe ab und ich testete meinen AIS-Empfänger, der mir anzeigt, welches Schiff mit welchem Kurs und Geschwindigkeit in Reichweite ist. Ja, er funtionierte noch hervorragend.

Leider ließ der Wind nach und von vorn kam eine kurze Welle, die immer höher und steiler wurde, je weiter icb nach Osten kam. Hier gegenan half nur noch der Motor. Ab und zu knallte der Anker scheppernd in die Welle, Gischt spritzte zuf Seite weg. Welch eine Begrüßung!

Nach zweieinhalb Stunden konnte ich endlich in den Kanal von Mesolingio abbiegen. Hier sah es lustig aus, die Häuser am flachen Ufer standen auf Pfählen.

Das flache Wasser wurde umrahmt von Grasflächen und Straßendeichen. Mit majestätischem Flügelschlag schwebten zwei weiße Vögel mit dickem Schnabel über mich hinweg. Ich sah ihnen staunend hinterher, Pelikane? Echt?

In Navionics hatte ich Kommentare zur Marina Mesolongio gelesen, dass sie keine Boote aufnehmen dürfen, irgend eine Betreiberlizenz fehlte. 

Also suchte ich am Stadtkai nach einem Liegeplatz. Hinter einem kleinen roten Jollenkreuzer machte ich fest. Ich bekam Leinenhilfe von den Nachbarschiffen. Der Stadtkai ist eine üble, scharfkantige Betonmauer. Ich benötigte alle Fender ganz knapp über der Wasserlinie, um den Rumpf zu schützen. Wieso habe ich mein altes Fenderbrett weggetan? 

Am Nachmittag ging ich in die Stadt auf der Suche nach einem Supermarkt. Ein nettes Städtchen mit vielen Cafés, Gaststätten und Geschäften, die alle geschlossen hatten bis 17 Uhr. Als ich am Hafen ankam, legte gerade die „Largyola“ ab, ein 62″-Katamaran in James Wharram Bauweise. Ein edles Teil. Es reichte noch kurz zum Hallo-Sagen und Wohin-Fragen, dann waren die Leinen los.

Gute Fahrt „Largyola“ nach Capo d’Orlando! Nanu, war ich da nicht gerade vor Kurzem? 

Am Abend ging ich noch eine Runde am Ufer spazieren und dann auf einen griechischen Burger und WLAN ins Restaurant am Hafen.

Samstag, 20. Oktober 2018

Auf emy.gr holte ich mir die aktuelle Windvorhersage: Nordost 3-4 später auf Nord drehend. Na, schaun wir mal nach draußen!

Noch im Kanal setzte ich die Genua, da nur leichter Wind aus Nordwest blies. Der wehte auch noch auf dem Golf von Patras, als ich nach Südosten abbog. Hinterm nächsten Kap allerdings ließ er nach. Ich mußte um eine Untiefentonne herum, auf dem Kurs hatte ich den Wind genau von achtern und kam kaum voran. Also Motor an und Genua runter. Hinter der Tonne aber kam eine Welle von vorn. Déjà-vu!

Wieder krachte der Anker in die zunehmend steilete Welle. Eigentlich kündigt die Welle doch Wind an? Ich sah voraus einen dunkleren Streifen, ja, da kam Wind! Und was für Wind! Gleich mit Schaumkronen auf den Wellen. Ich reffte das Großsegel und zerrte die Fock raus. 

Als ich sie oben hatte, ging es flott voran. Der Nordostwind und die kurzen steilen Wellen ließen einen Kurs quer über den Golf nach Patras zu. Die Wellen kamen an Backbord schräg von vorn und ab und zu spritzte Gischt über das Boot. Heureka! Das war ein wilder Ritt! Ich hatte ein gutes Gefühl, trotz Schräglage und Spritzwasser. Patras kam näher. Vor dem Yachthafen holten mehrere Segelboote ihre Segel ein und fuhren hinein. Dahin wollte ich auch. Hoffentlich ist noch Platz. Vor dem Fährhafen mußte ich noch zweimal kreuzen, dann war ich vor der Einfahrt zum Yachthafen. Motor an, Segel runter und hinein hinter die schützende Mole. Ich hatte gelesen, dass der erste Schwimmsteg defekt sei. Aber nun sah ich drei Schwimmstege mit „Betreten verboten“ Schildern.

Es lagen daran zwar ein paar Schiffe, aber alles sah dermaßen abgewrackt aus, dass ich weiter hineinfuhr. Ich pfiff zu drei Seglern hinüber, die anscheinend von einem der gerade eingelaufenen Schiffe kamen. Sie meinten, nein, hier wäre kein Platz mehr und ich solle in den kommerziellen Hafen fahren, UKW-Kanal 13. 

Also umdrehen und ins nächste Hafenbecken. Ich rief Kanal 13 an und fragte nach Festmachen im Hafen. Ja, das wäre erlaubt. Auf Navionics entdeckte ich eine Telefonnummer und erreichte doch tatsächlich den Hafenmeister. Ich suchte mir die Leeseite der großen Betonmole aus zum Festmachen und er half mir, die Leinen durch doch recht tief angebrachte Ringe zu ziehen. Odysseas, thank you.

Ich räumte mein Boot auf, hing das Solarpaneel noch mal raus zum Laden der Batterie, denn Strom gab es hier an meinem Platz nicht, nur auf der anderen Seite. Als ich aber sah, wie die Boote dort in den Wellen toben, blieb ich lieber hier im Wind und Wellenschatten.

Am Abend sammelte sich die Jugend der Stadt ( Patras ist die drittgrößte Stadt Griechenlands) auf meiner Mole. War das ein Auf- und Abflanieren, Aufplustern, Balzen, Händchenhalten, Schwatzen, Lachen – toll, dieses lebhafte Treiben. Kein Gebrüll oder laute Musik, einfach nur Treffen, Schlendern und weiter in die Stadt ziehen. Auch die Stadt war voll mit jungen Menschen. Lange habe ich nicht mehr so viele Junge Leute getroffen. In den Cafés und Gaststätten, auf den Straßen und Plätzen. Herrlich!

An einem der zentralen Plätze wurden Oldtimer eingeparkt, tolle gepflegte schöne Wagen.

Müde sank ich dann spätabends ins Bett. Der Geräuschpegel auf der Mole hielt sich in Grenzen. 

Sonntag 21. Oktober 2018

Als ich am nächsten Morgen aus dem Fenster sah, traute ich meinen Augen kaum. Alles war Pink!

„Pink the city“ ist eine Initiative, um auf Brustkrebs aufmerksam zu machen und den Betroffenen zu helfen. Hier auf der Mole war die Abschlußveranstaltung. Aber den ganzen Tag lang liefen überall in der Stadt Menschen mit diesen pinken T-Shirts herum.

Ich blieb noch zwei Tage hier in Patras, tauschte die leere Gasflasche für 8€ in eine volle um und besorgte ich mir einen neuen Stecker für das Solarpaneel. 

Natürlich besuchte ich auch den Dom des Heiligen Andreas, ein wunderschönes, reich geschmücktes Bauwerk.

Am Montag rief ich Dimitros an, der mir gleich nach der Ankunft seinen Flyer in die Hand gedrückt hatte und fragte, ob ich was zum Waschen hätte. Ich gab ihm all meine Wäsche und hatte jetzt nur noch das, was ich am Leibe trug. Abends kam die Wäschd trocken und frisch duftend zurück.

Am Dienstag fuhr mit dem Rad durch die Stadt zur Festung hinauf. Das heißt, die Treppe ging ich und trug das Rad. Uff.

Oben wehte ein frischer Wind und leider war es an diesem Tage bedeckt. Trotzdem war der Blick über die Stadt beeindruckend.

An dieser Festung hatten sie schon alle gebaut und um sie gekämpft, Griechen, Römer, Osmanen….

Ich war um 14 Uhr hier oben, der Eintritt war frei aber um 14:30 wurde der Turm geschlossen, um 15 Uhr das ganze Gelände.

Noch ein letzter Blick auf die Staft und weiter gehts. Etwas weiter landeinwärts entdeckte ich ein Hinweisschild zum Äquadukt. Also dort hin. In einer kleinen Siedlung waren tatsächlich noch Reste einer römischen Wasserleitung zu sehen.

Dann fuhr ich durch einen Park und schnupperte. Was roch hier so frisch, so nach Minze? Nein, das war Eukalyptus! Ein Pinien-Eukalyptushain mit Wander- und Fahrradwegen. Das war ja mal ein Geruchserlebnis, mal Hustenbonbon, mal Badezusatzduft, mal salzige Meeresbrise, mal Abgase, als ich wieder in Straßennähe kam.

Gaststätten gibt es in Patras Unmengen, ich ließ mir einen herzhaften Crepé schmecken und griechischen Kaffee.

Die Reste eines römischen Amphitheaters gab es auch noch zu bestaunen, dann hatte ich genug gesehen und freute mich aufs Weitersegeln. Ob das morgen schon klappen würde? 

Lefkas – Meganisi 10.-15. Oktober 2018

Mistral

Wieder an Bord der „Mistral“ erweckte ich das Boot aus seinem Schlaf. Auftakeln, Auslüften, Umstapeln….
Leider stank das Wasser aus dem Tank wieder sehr. Ich pumpte ihn leer (700 Hübe mit den Fußpumpen) und sah mich mnach Möglichkeien um, Reinigen oder neuen Tank? Im Thallassa Marine Shop an der Hafenstraße begrüßte mich Pete auf deutsch. Ich fragte nach einem flexiblen Tank und ja, er hätte einen 100l-Tank von Vetus auf Lager. Wir rechneten zusammen, was Tank und neue Schläuche kosten würden. Ach weg mit dem alten Schiet und her mit dem neuen Tank. Das Lager allerdings war in Athen, aber der Tank wäre morgen früh da. 

Mittags kamen zwei nette Leute vorbei, die „Elmos“, Sarah und Matthias! Das war ein frohes Wiedersehen, das mit traditioneller Gyrospita würdig gefeiert wurde. Dank Mattias bekam ich Kontakt zu einem Alex, der mir ein flexibles Solarpaneel zu einem guten Preis verkaufte. Nach ein bischen Bastelei und Herumtesten mit dem Multimeter kam dann auch Spannung an der Batterie an, als das Paneel auf dem Deck in der Sonne lag. Aber wohin mit dem Teil, wenn ich segle oder nachts? Mir fiel die Ablage für die Seekarten über der Hundekoje ein. Ja, das passt wunderbar. Jupiheijey, nun war die Stromversorgung gesichert. 

Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf und fing an, den alten Tank auszubauen. Ich öffnete unter Schwierigkeiten die Revisionsöffnung. Oha! Da lag ein Haufen sandiges Zeug im Tank und das Aluminium blühte! 

Gegen 8 Uhr war der Tank draußen und ich zog die alten Schläuche heraus. Nun noch den „Tankraum“ säubern.

Huch, da waren ja Abblätterungen, die erst noch gespachtelt werden mussten. Also Glasfaserspachtel mit Härter mixen und die Risse spachteln. Dann holte ich den neuen Tank ab und legte ihn vorsichtig hinein. 

Doch nun wurde es kniffelig. Der neue Zulaufschlauch hatte einen kleinren Durchmesser als der alte und passte nicht an den Decksverschluß. Was nun? Im Marinashop suchte ich herum und entschied mich für einen neuen Decksverschluß. Der alte mußte nun ausgebaut und der neue eingebaut und abgedichtet werden. Gegen Mittag hatte ich den Zulauf zum neuen Tank fertig.

Auf dem Steg wird der Großeinkauf herangekarrt

Mich hielt nun nichts mehr in der Marina. Ich besorgte mir noch zwei neue Wasserkanister und füllte diese. Am neuen Tank könnte ich ja auch in einer schönen Bucht weiter basteln.

Am Nachmittag legten wir dann ab, die „Elmos“ und ich und trafen uns bei der Tankstelle wieder. Gut abgefüllt fuhren wir dann den Lefkaskanal nach Süden. 

Dann folgte ein fröhliches Segel-Fotoshooting. Wir segelten glott nach Süden und fotografierten und gegenseitig. Juchuu, das machte Spaß!

„Elmo“ unter Segeln

Am späten Abend trennten sich dann unsere Wege. Ich fuhr tief in die nördliche Bucht Atheni, suchte mir einen Platz zwischen zwei ankernden Schiffen aus. Ich wollte mein Boot wie die Nachbarn mit Buganker und Landleinen festmachen.  Leider war Seitenwind. Ich musste beim Ankern also dafür sorgen, dass mein Boot nicht auf die anderen Boote trieb, wenn ich mit der Leine an Land schwamm. Doch dazu habe ich ja einen Heckanker! Ich  fuhr rückwärts in die Lücke, stoppte kurz, warf den Heckanker und fuhr wieder vorwärts und gab dabei die Leine des Heckankers raus. Dann stoppte ich das Boot wieder, warf den Buganker und etwas Kette. Dann zog ich an der Heckankerleine. Als das Boot Fahrt rückwärts aufnahm, ging ich wieder nach vorn und gab viel Leine nach, machte sie dann an der Klampe fest.  Wieder nach hinten, Rückwärts fahren und Heckankerleine dabei einholen. Anker eingraben. Die Landleine hatte ich schon vorbereitet, schnell die Badeleiter runter, Hose und T-Shirt aus und ab ins Wasser. Ich hatte mir einen großen Stein an Land ausgeguckt und warf den großen Palstek darüber. Wieder an Bord, zog ich die Heckleine stramm. Motor aus. Was noch? Ach ja, der Heckanker wurde ja nicht mehr gebraucht. Ich holte ihn ein und machte dann  das Boot klar für die Nacht. Meine Nachbarn grüßten freundlich herüber.

Samstag 13.10.2018

Ich bastelte den ganzen Tag, schwatzte mit meinen Nachbarn (Susanne und Frank auf der „Sparkling“). Das Verlegen der neuen Wasserleitungen verlief nicht so einfach wie gedacht. Sie hatten einen größeren Durchmesser als die alten und passten nicht durch die Öffnungen in der Bilge. Der neue Schlauch zum Waschbecken im Bad verläuft nun ein Stück oberhalb des Fußbodens, dazu musste ich ein Loch ins Schott bohren und mit einer Raspel so lange bearbeiten, bis der Schlauch hindurch passte. Das war genug Arbeit für einen Tag.

Vassili, der Fischer kam mit seinem Moped vorbei und brachte Obst mit. Ich lud ihn dafür auf einen Kaffee ein. 

Am Nachmittag ruderte ich dann mit meinem Schlauchboot in den südlichen Arm der Bucht, in den Port Atheni. Dort ankerten die „Elmos“. Am frühen abend ruderte ich zurück und genoß die Stille auf dem Wasser und die wunderschöne Abendstimmung.

Morgens kamen leichte Wellen in die Bucht, wo ich ankerte und ich beschloß, das Boot in die Nachbarbucht in die Nähe von „Elmo“ zu verholen. Mit Heckanker und Landleine lagen dann unsere beiden Boote parallel zueinander. 

Ich bastelte weiter am Boot, verlegte Leitungen, reinigte die Fußpumpen. Irgendwann war es dann soweit, der neue Tank war angeschlossen und die neuen Leitungen bis zu den Wasserhähnen verlegt.

Von einem öffentlichen Wasserhahn in der Nähe des kleinen Fischerhafens holte ich mehrere Male Wasser in Kanistern, um den neuen Tank und die Leitungen durchzuspülen.

Die beiden Restaurants am Ufer waren nach der Sommersaison jetzt geschlossen. Ganz am Anfang der Bucht hatte allerdings noch eine Beach-Bar geöffnet. Mit „Baby-Elmo II“ fuhren Sarah, Matthias und ich dorthin, um Freunde zu treffen. 

Der Strand bestand aus lustigen runden Kieseln, die bunten Liegen leuchteten in der Abendsonne, die Segelfreunde waren lustig. Es war eine schöne Stimmung hier, so wie Urlaub. 

Die Bucht ist wunderbar geschützt, bietet aber auch einen Ausblick auf die hohen Berge am Festland. Ich wollte noch gar nicht weg. So langsam komme ich zur Ruhe und genieße es, bleibe noch einen Tag. Von Vassili kaufte ich drei Bonitos, brachte einen zu Klaus und Susanne an Bord der „Blue Motion“, die auch in der Bucht Atheni ankerten. Die anderen zwei filetierte ich am Strand. 

Abends gab es dann Bonito-Steak mit Reis an Bord der „Elmo“. Unser Abschiedsessen, denn am nächsten Tag wollte ich weiter.

Tschüß „Elmo“, bis zum nächsten Wiedersehen!

Kurzbesuch in Palma 7.-9.10.2018

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Nach dem doch recht anstrengenden Segeltörn um die Liparischen Inseln brauchte ich eine kleine Pause. Ich hatte stundenlang recherchiert, wie ich am besten von Sizilien nach Griechenland zu meinem Boot käme. Zug, Fähre, Zug, Fähre, Bus – das war eine Möglichkeit, teuer, unbequem und ungewiss, ob alle Anschlüsse klappen würden. Einen Direktflug gab es nicht. Nach vielem Hin- und Herjonglieren mit meiner Lieblingsbuchungsseite skyscanner.de hatte ich eine Möglichkeit gefunden, preiswert nach Preveza zu gelangen.

Abflug am 7.10. nachmittags ab Palermo nach Palma de Mallorca. Dort kam ich abends an, fuhr mit dem Bus bis kurz hinter das Aquarium und bezog mein Zimmer im Hotel Raxa. Das Türschloß war ziemlich klapperig, ansonsten ein schönes, sauberes Apartment mit Wohnzimmer, Küche, Bad und Schlafzimmer. Ein ganz klein bischen Meerblick hatte ich auch.

Am Montag war Ausschlafen angesagt, dann Strandbummel und Ballermannpromenade. Die Sonne kam raus und ich lag bald mit einem Buch in der Hand im Sand und las. Ach war das schön! 

Als ich müde wurde, ruhte ich mich auf meinem Zimmer aus. Gegen halb drei war ich bereit für neue Abenteuer. Ich würde ja gern nach Palma reinfahren. Hmm, was kostet den ein Leihfahrrad? Was, nur 5€ für den halben Tag? Nix wie los!

Es gibt einen wunderbaren Fahrradweg an der Küste entlang, durch kleine Siedlungen, an Häfen vorbei und durch Felsen hindurch.

Doch über Palma ragten immer höhere Wolkentürme auf! Da kam ein Gewitter übers Tramontanagebirge! Ich trat mächtig in die Pedale und erreichte die Kathedrale vor dem Regen. Die Blitze zuckten schon hinter Schloß Belvedere in den Berg. Mein Rad stellte ich bei meiner Lieblingsbar Coto ab und suchte Schutz unter einer der orangenen Markisen. Das Gewitter allerdings zog um Palma herum und schickte hier nur einen kurzen Schauer herab. Ich denke, die Stadt strahlt soviel Hitze ab und die Thermik ist so stark, dass Luftströmungen einen Bogen um die Stadt machen. Ähnliches kann man ja auch in Köln beobachten.

Als es zu regnen anfing, rutschte der Herr vom Nachbartisch näher. Bald gesellten sich seine Freunde dazu, mit denen er segeln war. Irgendwann zeigte mir Thorpe Fotos von seinem Schiff in der Karibik, ein schmuckes schnelles Holzschiff. Er meinte, ich als Deutsche müßte doch die Geschichte kennen, das wäre die „Wappen von Bremen“, die später „Appolonia“ hieß und als „Mörderboot“ in die Seglergeschichte einging. Ach ja, da war ja was, eine tragische Atlantiküberquerung mit mehreren Toten… Segler, die sich unterwegs einen Psychokrieg lieferten. DAS ist das Boot? Ja, es wäre 2006 in der Karibik von dem Hurricane Hugo an Land geschleudert worden, ein Fred Thomas hat es dann wieder aufbauen lassen, starb aber später, dann dessen Frau und nun hat er, Thorpe, das Schiff gekauft. Es wurde im letzten Jahr von Hurrican Irma beschädigt, ist jetzt aber repariert und Thorpe fliegt in ein paar Tagen auf die British Vergin Islands, um es zu segeln. Whow, in welch illustre Gesellschaft bin ich da geraten? Eine Einladung zur abendlichen Grillparty schlug ich dann aber aus. Ehrlich gesagt war ich einfach zu müde und mein Leben war schon abenteuerlich genug. 

 Mir stand ja auch noch die 12km lange „Heimfahrt“ bevor. Wieder an der Küste entlang folgte ich den Regenwolken und freute mich am herrlichen Farbenspiel von Wolken und Wasser.

Die Straßen waren leer und feucht, die Luft so herrlich frisch, sogar einen Regenbogen bekam ich zu sehen! Es machte Spaß, mit dem Rad dahinzusausen.

Tschüß Balearen!

Am nächsten Morgen flog ich dann nach Düsseldorf, machte einen kleinen Stadtbummel und flog am Nachmittag nach Preveza. Irgendwie hatte ich zum Sparpreis einen Premiumplatz bei der Fluglinie Condor bekommen und fand an meinem Platz eine kleine Überraschung vor.

Super, die Aufmerksamkeit hat mich sehr überrascht. Bekam ich das, weil ich jetzt das dritte Mal kurz hintereinander mit Condor geflogen war? Vielen Dank. 

Beim Start drehten wir eine Runde über Düsseldorf. Der Rhein hat ja wenig Wasser!

Preveza glitzert in der Nacht

In Preveza landeten wir abends und die Taxifahrer stellten unverschämt hohe Forderungen. So fragte ich herum und wurde von einem netten jungen Paar mitgenommen, die nach Nidri wollten. Ich lotste sie bis Lefkas und wünschte ihnen einen schönen Urlaub.

Dann war ich gespannt, wie ich mein Boot vorfinden würde. Oh, juchuu, alles in Ordnung. Trotz des mit viel Regen vorbeigezogenen Medicanes herrschte ein trockenes Klima an Bord. Ich verstaute meine Sachen und vor lauter Euphorie, dass alles OK war, lud ich die drei Segler, die gleich in Stegnähe im Restaurant saßen zu einem Getränk ein. So lernte ich Klaus, Jessica und Charly kennen.

Ach war das schön, wieder an Bord meines eigenen kleinen Bootes zu sein. Meine kleine zuverlässige „Mistral“.