Nicht mein Tag heute

Mistral

21.November 2015 

Das war nicht unbedingt ein guter Tag. Erst regnete es morgens entgegen der Vorhersage. Aber in dem engen Tal hielten sich die Wolken wohl länger als anderswo.

Dann reagierte die Schleuse nicht. Ich rief an und bekam zu hören, dass sie erst ab 9 Uhr arbeiten. Hmm, ich dachte, das gilt nur fürs Wochenende. Noch 25 Minuten Kreise drehen vor der Schleuse?

In dem Moment ging der Motor aus. Schreck! Ich startete ihn erneut, er sprang an. Aber immer wenn ich Gas geben wollte, ging er aus. Noch mal starten, vorsichtig rückwärts Gas geben. Das ging! Mit nem blöden Gefühl im Bauch fuhr ich also rückwärts den Kilometer zum Anleger in Laifour zurück. Schön langsam an die Kaikante und wieder festgemacht. 

Da sah ich die Bescherung. Mein Hilfsseil, mit dem ich das Boot an der Leiter in der Schleuse fixiere, war heruntergefallen und der Propeller hatte sich das lose Ende geschnappt.

Ich rief die Dame in der Zentrale an und schilderte ihr mein Problem. Sie zwitscherte den Standardsatz: I will call the service man .

OK. Warten oder selbst was tun? Schließlich ist das nicht meine erste Leine in einem Propeller. Ich schärfte das Messer, suchte Fleecesachen und den Trockenanzug heraus .

Nun lag das Boot aber rückwärts zur Strömung, die drückte das Seil wieder in Richtung Propeller. Also noch das Boot drehen!

Dann stieg ich über die Badeleiter ins trübe kalte Wasser. Es war dank dicken Sachen im Trockenanzug auszuhalten. Ich tastete mit den Füßen am Seil zum Propeller entlang. Ja, das müsste gehen. Ich wickelte das Seil mit den Füßen vom Propeller ab. Dann ging es mal nicht weiter, ich stieg an Deck und holte meine Tauchermaske. Dann knüpfte ich noch ein paar Knoten in das Seil, an dem ich mich im Wasser festhielt. Dann setzte ich mich dummerweise auf meine Brille. Knacks, ein Glas kaputt. Nee, irgendwie nicht mein Tag.

Doch mit der Tauchermaske konnte ich im trüben Wasser auch nichts sehen. Weiter mit den Füssen fummeln. Irgendwann ließ  sich der Propeller auch wieder drehen. Das erleichterte mir die „Beinarbeit“. Dann, nach einer gefühlten Ewigkeit kam die Leine lose. Mir entwich ein Juchzer. Das Ehepaar, das schon ein paar Minuten daneben stand, lachte mit mir.

Nun schnell raus aus den nassen Sachen. Eine Armmanschette am Anzug war eingerissen, so hatte doch etwas Wasser den Weg hinein gefunden. Zum Glück mache ich zusätzlich zum Tee immer eine Kanne heißes Wasser. Das goß ich in die Wärmflasche. Die steckte ich mir hinten in die Hose, denn die Nieren und Rücken waren kalt geworden.

Dann los zur Schleuse Nr. 47 und hindurch. Beim Klettern und Leine dicht holen wurde mir warm. Die nächste Schleuse öffnete, aber die Ampel sprang auf Doppelrot, d.h. gesperrt!

Also wieder die nette Dame angerufen, die den Servicemann schickte. Der winkte mich rein und startete vom Schleusenhäuschen die Prozedur.

Endlich weiter. Der Fluß Meuse, wie die Maas hier heißt, wurde breiter, die Ufer flacher und die Berge traten zurück. 

Rumps machte es bei Kilometer 60,3 und die „Mistral“ machte einen Satz. Mist, das war ne Grundberührung! Wassertiefe 2,4m zeigte das Echolot. Da war entweder ein großer Stein oder ein alter Baum am Grund. Ruder geht noch, Motor tuckert,…also weiter.

Und an Schleuse 45 schon wieder zwei rote Lichter! „I call the service man“ sagte die nette Dame wieder und er kam. Es ist schon toll, dass nach 10-15 min wirklich jemand komnt. Nur meine Nerven fanden das nicht so toll. Mit Bauchgrimmen und allerlei Beschwörungen murmelnd fuhr ich in die nächsten beiden Schleusen. Die funktionierten einwandfrei, aber vielleicht auch nur, weil der Servicemann vor mir da war. Er winkte mir jedes Mal zu und ich rief „Merci“ zurück. 

In Charlesville war nach 30 Kilometern erst mal Schluss. Zwar war es erst kurz nach vier, aber weiter flußauf ist kein Liegeplatz eingezeichnet und ich war ziemlich fertig.

Nachdem ich an einem Schwimmsteg festgemacht, das Boot geschrubbt und die Kuchenbude aufgebaut hatte, gabs ein Schnellgericht vom Ofen, der schon den ganzen Tag bullerte.

Dann ging ich in die Stadt. Die meisten Geschäfte in der Fußgängerzone waren schon geschlossen. Auf dem wunderschönen Marktplatz wurden leider gerade Buden für den Weihnachtmarkt aufgebaut. Deshalb gibt es davon kein Foto. Ich fand einen offenen Supermarkt und machte einen Trosteinkauf:


Heutige Zusammenfassung:

Zu früh an der ersten Schleuse,

Leine im Propeller

Brille kaputt

2 Schleusen von 5 funktionierten nicht

Grundberührung

Nee, echt nicht mein Tag heute!

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Von Givet nach Revin (37 km, 9 Schleusen)

Mistral

An der ersten Schleuse, die ich um 10 Uhr erreichte, wartete der blaue Schleusenwärter. Jose ist spanisch französischer Abstammung. Wir schwärmten beide von der Wärme und dem blauen Wasser, als er vermittelte die Familie seiner Mutter stammt von Valencia und ich sagte, dass ich evtl. dahinfahre. Er würde mir noch die nächste Schleuse öffnen und bot mir einen Kaffee an. Hmm, lecker. Mit dem heißen Kaffeebecher in einer Hand steuerte ich den ersten Kanaltunnel an. Whau, war das aufregend.

Ich benötigte keinen Scheinwerfer, das Licht am Ende und die Beleuchtung der Felswände durch das Toplicht war genug Orientierung.

Noch einmal Jose zuwinken, dann begann das nächste Abenteuer, die automatischen Schleusen. Etwa 500 m vor der Schleuse steht ein Schaltkasten, den man mit dem Transponder anfunken muss, indem man mit dem Transponder zielt und dabri den einzigen Knopf drückt. Der Transponder blinkt, wenn er funkt. Wenn das Gerät an Land ein Signal erhalten und an die Schleuse weitergeleitet hat, blinkt obenauf ein gelbes Licht. Manchmal blinkt es auch nicht. Man kann aber erkennen, ob was in der Schleuse was passiert, wenn das rote Licht an der Schleuse durch ein grünes ergänzt wird. Das heißt: „Schleuse wird vorbereitet“.

Wenn das Wasser aus der Schleuse heraus ist, öffnet sich das untere Tor und das rote Licht erlischt. Nun leuchtet nur Grün, d.h. ich kann einfahren.

Dann mache ich das Boot an der Leitet fest, die unter den Signalstangen steht, klettere nach oben, belege die Vor-und Achterleine an Pollern. Klettere wieder nach unten, um die Leine von der Leiter zu lösen, dann wieder nach oben.

Ich ziehe das Boot so weit nach vorn, dass der Bug auf Höhe des vorderen Pollers ist und mache die Vorleine fest.

Dann drücke ich die blaue Stange hoch, bis am unteren Tor eine gelbe Lampe blinkt oder ein Signal erschallt.

Das Tor schließt sich und ich hole die Achterleine dicht, wenn das Wasser einläuft und das Boot steigt. Wenn dann das obere Tor öffnet, brauche ich nur die beiden Leinen an Bord zu legen und an Bord steigen.

So ein Schleusenvorgang dauert vom ersten Auslösen bis zur Ausfahrt 15-25 Minuten. Mir ist vom Klettern und Leine dicht holen immer ziemlich warm.

Dumm ist nur, dass bei manchen Schleusen die Stangen Backbord, bei manchen an Steuerbord angebracht dind. Um beide Seiten volkständig abzufendern, hab ich wiederum nicht genug Fender. Das Fenderkissen und der alte Rettungskragen kamen dazu, nun gehts. Zwre dicke Fender schützen den Bugkorb, wo der Mast aufliegt. Ein paar Mal kam der beim Anlegen und Abbremsen schon leicht an die Mauer.

So schaffte ich noch 7 Schleusen. Die Letzte, in Revin, war vier Meter hoch. Leider öffnete das obere Tor nicht. Ich wartete eine Weile. Dann suchte ich die Sprecheinrichtung, drückte den Knopf. Es Tutete, dann eine Stimme. Ich nannte meinen Namen und den Namen der Schleuse, da kam schon :“Service man is on the way“. In dem Moment tauchte auch schon jemand mit einem Schlüssel auf. Der bekam es aber auch nicht in Gang. Mit Googletranslator gab er mir zu verstehen, dass er nur Beaufsichtiger der Schleuse ist. Der Serviceman braucht etwas länger. 

Dann bekam er einen Anruf und mit Ferndiagnose bekam er das Tor auf.  Das Ganze hatte 20 Minuten gedauert, an einem Sonntagabend! Das nenn ich Service.

Ich bedankte mich bei Sebastian, winkte und fuhr – in einen Tunnel. Dahinter bog ich rechts ab und fuhr mit der Strömung in zunehmender Dunkelheit unter zwei Brücken hindurch. Kleine rote und grüne Bojen kennzeichneten die Fahrrinne und waren kaum noch auszumachen.

Dann sah ich den Anleger. Vorsichtig, den Tiefenmesser immer im Blick, näherte ich mich gegen die Strömung. Als ich festgemacht, die Kuchenbude aufgebaut hatte und mich ins warme Schiff zurückzog, merkte ich, dass ich fix und fertig war. Das war aber ein wohliges, zufriedenes Gefühl. Ein heißer Eintopf und ein guter Film – so klang ein aufregender Tag aus. 

Montag, 20.11.

Das ist der Liegeplatz in Revin:

Ich suchte und fand den Supermarkt Intermarché, kaufte frisches Baguette, Bier und Naschereien. Dann zog ich noch mal los und füllte zwei Kanister mit Diesel (40l) an der Tankstelle des Supermarktes. Eine Waschmaschinenstation gibt es auf dem Parkplatz auch.

Das Frühstück zog sich in die Länge, dank frischem Baguette und Croissants. Dann fing es an zu regnen. Die Gelegenheit, den Blog zu pflegen. Nun ist er ganz aktuell!

Hier eine Übersicht über die zu fahrenden Kanäle. Grün gestrichelt die Strecke, die vor mir liegt. Von Givet bis Arles kurz vor Marseille sind es 1060 km und 260 Schleusen.

Belgien in drei Tagen (133km)

Mistral

Gleich hinter Maastricht fängt Belgien an. Nach 3 km kam schon die erste Schleuse. Das dauerte länger, da die Frachter schon Schlange standen. Beim ersten Schleusen kam ich nicht mit. Erst beim zweiten Mal, zusammen mit „Lucienne-D“. Ob D für doof stand? Ich empfand es jedenfalls als so, als der Frachter beim Schleusen immer mal wieder seinen Propeller laufen ließ. Das Schraubenwasser zerrte mächtig an meinem kleinen Boot.

Dann zog Lucienne auf dem Albertkanal davon. Ich zuckelte hinterher.

Das ist die Große Pylonbrücke vor Lüttich. Dann kam die Stadt:

Eine interessante Erfahrung, durch ein so dicht bebautes Gebiet zu fahren.

Dann ging es wieder durch Industriegebiete. Immer weiter den Albertkanal entlang bis der wieder auf die Maas trifft.

Die schlängelt sich in weiten Kurven durchs Land und am umstrittenen Kernkraftwerk Tihange vorbei. Gleich dahinter lag mein Übernachtungsyachthafen Huy.

Der nette Hafenmeister gab mir den Vode für die Sanitäranlagen, kassierte aber kein Liegegeld, weil es keinen Strom am Liegeplatz gab. Mit Strom war ich ja jetzt versorgt. Zum Glück floß aber Wasser aus dem Hahn und ich füllte den Wassertank nach.

Nach dem Gebärden-Gespräch mit dem Hafenmeister, der nur französisch sprach, schrieb ich mir ein paar Floskeln in Lautschrift auf, von denen ich glaube, die zu brauchen.

Das kam mir am nächsten Tag zu Gute. Als ich an der ersten Schleuse funkte, ob sie anglais oder aleman sprechen kam immer nur ein non. Also sprach ich meinen ersten französischen Satz: „Je veux aller en montée“ ( Ich möchte bergauf schleusen). Zurück kam: „OK, Madame“.

Das wurde dann mein Zauberspruch. Die nächsten Schleusen wurden sofort geöffnet oder waren schon auf und zeigten ein grünes Licht.

Es ging durch schöne Landschaften, kaum noch Frachter unterwegs.

Die Felsen gehören zu Rochers des Grands-Malades.
Mittags war ich dann in Namur. Hier mußte ich entscheiden, ob ich in die kleinere Sambre abbiege oder die Maas weiterfahre. Hier zweigt die Sambre ab:

Ein Stück weiter sollte ein Hafen sein. Ich fuhr an der Festung vorbei…

…und unter einer steinernen Brücke hindurch.

Am Anleger hing ein Kabel oder Wasserleitung lose herum, außerdem setzte ich einmal auf. Also machte ich beim dritten Versuch an einem Plastikponton fest, vertäute das Boot aber sicher an Land.

Dann ging ich zur Festung hinauf. Von dort gab es einen tollen Rundblick in das Tal der Sambre:

…und in das  Maastal:

Da unten am gegenüberliegendem Ufer liegt die „Mistral“. Ich ging noch einkaufen und machte mir dann eine Gemüsepfanne.

Am nächsten Tag (18.11.2017) fuhr ich durch 9 Schleusen und schaffte 49 km.

Die Schleusen öffneten schon, wenn ich anfunkte „Ecluse La Planta for bateau ‚Mistral'“ oder waren schon offen. Manchmal winkte der Schleusenwärter und rieb sichbfragend die Arme. Nein kalt war mir nicht. Die blaue Jacke ist sehr gut. Ich muss mal irgendwann an den netten Messeverkäufer schreiben.

Am Nachmittag fuhr ich an Dinant vorbei und war kurz vor 5 Uhr an der ersten französischen Schleuse mit der Nummer 59. Zwei Schleusenwärter warteten auf mich, ein kleiner, kräftiger in Blau und ein jüngerer in Rot. Der Rote sprach ein paar Brocken englisch, tippte die Daten aus den Bootspapieren in den Computer, kasdierte die Gebühr von 106,39€ und übergab mir dann die Vignette und einen Transponder mit Anleitung zum Schleusen.

Beim Ausfahren machte mir der blaue Schleusenwärter klar, dass ich morgen nicht vor 9 Uhr schleusen solle. Dann fuhr ich in die Dunkelheit davon. Es war dunkel geworden und der Kanal sehr eng. Ich hatte die Stirnlampe auf und leuchtete ab und zu voraus. Ansonsten kann man gut im Dunklen sehen. Das Licht von der Stadt vor mir reichte aus. Gleich vor der Brücke gab es rechts einen Anleger. Da machte ich fest. In diesem Augenblick fing es an, zu regnen.  Im nahegelegenen Café gab es leider nichts zu essen, aber am Marktplatz gab es in einem Hotel eine Brasserie. Ich nahm ein leckeres Huhn-Gemüse-Curry-Gericht, pflegte meine Kontakte und holte Infos zur Strecke und Wetter per WLAN.

Regentag in Maastricht

Mistral

Ausschlafen, dann in die Stadt und ein Café suchen zum Frühstücken. Gar nicht so einfach. Es gab nur kleine Backverkaufsstellen, deren Sitzgelegenheiten einfach ungemütlich aussahen. Auf meiner Suche gelangte ich zum Marktplatz. Supertolle Angebote an Käse, Gemüse und Backwaren.

Im urgemütlichen Haatjes Cofeshop fand ich zwar kein opulentes Frühstück, aber leckeren Kaffee und super WLAN. Das Baguette für mein Briesandwich holte der nette Kellner frisch vom Markt. 

Ab und zu schalte ein sehr melodisches Glockenspiel vom Turm des Rathauses.

Gegen Mittag füllten die Marktbesucher dann das Café und ich ging einkaufen. Brot, Käse, Obst, Gemüse und für mein, vom kühlen Fahrtwind schmerzendes Ohr, ein neues, warmes Stirnband.

Dann ging ich zum Bunkerboot, sah mir den Nauticshop an ( sehr gut ausgestattet) und fragte nach Anlegen mit eigenem Boot. Ich war herzlich willkommen.

An der Trennwand im Fluß lag mein Boot ganz allein. Die Türen zu den Straßenbrücken waren abgeschlossen, aber zum Glück so niedrig, dass ich drüberklettern konnte.

Dann füllte ich Diesel aus einem Kanister in den Tank. Das geht besser als mit Zapfpistole in den Tank. Dann fuhr ich zum Bunkern:

Die beiden Brüder Peet und Rudi, die das Geschäft betreiben, waren sehr nett und zuvorkommend. Ich kaufte noch zwei 10-l Kanister und ließ sie und meine beiden 20-l-Kanister füllen. Im Ankerkasten ist genug Platz zum Verstauen. Außerdem gab ich zwei alte Batterien ab und kaufte mir eine neue 110Ah-Batterie. Das ewige Stromsparen hatte ich satt. Eine neue LED-Deckenleuchte, Gastlandflaggen Belgien und Frankreich und zwei zusätzliche Fender kamen auch noch auf die Ladentheke. Rudi und sein Enkelkind füllten die neuen und zwei meiner alten Fender mit Luft. Bei so netten Leuten lass ich doch gern mein Geld.

Sie gaben mir auch den Tipp zum nächsten Yachthafen und kündigten mich dort an. Ich fand dort einen ruhigen Liegeplatz. Leider gab es keine Duschen und nur kaltes Wasser. Eine Dame in einem großen Motorboot, meinte, ihr Mann käme in einer Stunde zum kassieren und würde mir Strom einschalten.

Ich baute die neue Batterie und die Deckenleuchte ein und ging nach zwei Stunden noch mal nachfragen. Er war immer noch nicht da. Also suchte und fand ich selbst eine Steckdose. Nun konnte die neue Batterie mal so richtig aufgeladen werden. Als ich zum dritten Mal nachfragen ging, saßen die beiden beim Abendbrot. Als ich sagte, ich hätte Strom gefunden und wollte bezahlen, winkte sie ab und wünschte mir für morgen eine gute Reise. Nett.

Dann machte ich warmes Wasser und wusch mir die Haare über dem kleinen Waschecken im Bad an Bord. 

Venlo-Maastricht (70km)

Mistral

Der 14.11. war ein trüber kalter Tag. Trotzdem war ich guter Laune. Es ging voran.  Ich kam an einer interessanten Sieflung vorbei, wo sich Architekten ausgetobt hatten. 

Reihenhäuser im Halbkreis:

Häuser wie Zähne:

Häuser wie alte Eisenbahnwagons:

Und dann wieder Wiesen, Felder, ab und zu ein altes Dorf.

Ich entschied mich, nicht nach Roermond hinein zu fahren, sondern auf dem Lateraalkanaal daran vorbei direkt navh Maasbracht.

Um 13 Uhr war ich durch die Schleuse Maasbracht durch. Ich hatte ziemlich weit hinten festgemacht. Der Schleusenwärter wies mich per UKW darauf hin, dass ich beim Steigen beinahe mit dem weit nach hinten überstehendem Mast an einem Balken hängenbleiben würde, der oben quer über der Schleuse gebaut war. Uff noch mal gut gegangen. Worauf man aber auch alles achten muß.

Die 35 km nach Maastricht führt der Julianakanal. Ich wog ab, aber das war bei 10 km/h gut im Hellen zu schaffen. Leider hatte ich nicht mit den Baustellen gerechnet. Engpässe, in denen Begegnungsverbot herrscht und Geschwindigkeitsbegrenzung. Als Sportboot wartete ich natürlich, bis die „Großen“ durch waren. Das kostete aber Zeit. Am Ende des Kanals war es dann um 17 Uhr schon ziemlich dunkeldämmerig. Zu meiner Erleichterung war die letzte Schleuse im Kanal offen. Dann war ich in Maastricht. Nach der zweiten Brücke sollte ein Bunkerboot liegen. Ja, da war es. Der Shop war hell erleuchtet aber leider schon zu.

Hinter der nächsten Brücke sollte in der Flussmitte eine Trennwand sein, an der man anlegen kann. Im Dunklen schwer zu erkennen, aber das Gekreisch der Möwen, die ich beim Annähern aufscheuchte, war Orientierung genug. Uff, endlich fest. Kuchenbude aufgebaut, eine warme Mahlzeit und ein gutes Buch, so läßt es sich leben. Ich liebe den Dieselofen, der mir ein warmes Schiff beschert, genieße den warmen Salon im Schiff, kuschle mich in meine Decke und freu mich einfach.

Von Nijmegen bis Venlo (73km)

Mistral

Ich machte am Sonntag Pause in Nijmegen und verbrachte den Regentag im Salon mit Aufräumen, Isolieren und Renovieren. Es muss etwas heller werden.

Als die Sonne durch die Fenster schien, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Nach dem Regen sah alles so klar und sauber aus.

Da liegt die „Mistral“ vor der großen Waalbrücke. Ich stiefelte den Berg hinauf zum Valkehof, einer ehemaligen Burg, von der nur noch eine Kapelle und Ruinen übrig sind.

Der Blick von dort oben war grandios.

Dann ging es durch dieses Tor in die Stadt:

 Ach herrje, es war verkaufsoffener Sonntag und viel Volk unterwegs in Klamotten-, Schuh- und Spielzeugläden. Auf dem Marktplatz dröhnten Bässe und gute Musik. Ein paar Leute in orangen T-Shirts übten einen Tanz. Daneben stand eine Frau mit einem Schild: „Free Hug“. 

Was ist das denn? Sie klärte mich auf: Hug ist so was wie Knuffel. ??? Was ist das? Sie umarmte und drückte mich. Dat is een Knuffel! Hihi, das ist ja toll. Den Knuffel gab ich doch gern virtuell  per whatapp weiter mit einem Bild der tanzenden Menschen.

Am 13. November ist „World Kindness Day“, darauf wollen sie aufmerksam machen. Auf mehr Freudlichkeit mit- und untereinander. Na das entspricht voll und ganz meinen Wünschen. Also: „Bitte recht freundlich!“

Am Montagmorgen legte ich um 8 Uhr ab. Ein wenig aufgeregt war ich schon, wie ich vom Rhein in die Maas komme. Wieder Schiff an Schiff bergauf auf dem Rhein, ach nee der heist hier Waal. Ich nutze eine Lücke und querte das Fahrwasser, um in den Waal-Maas-Kanal einzuschwenken. 

Uff, das Wasser wurde ruhiger! Jetzt noch die Schleuse anfunken: „Sluis Weurt for Sportboot Mistral“ Die Antwort kam prompt: „Sportboot, nehmen Sie die Backbordschleuse“. Ok, die Ampeln standen alle auf Rot, also erst mal irgendwo festmachen und warten. Die Steuerbordschleuse war grün, ah da kam ein Frachter angerast und direkt hinein. Dann ging das Tor der Backbordschleuse auf, zwei Frachter fuhren raus und ich rein. An einer Leiter festmachen, Tor zu, Wasser marsch. Im Schleusen war ich jetzt schon Profi. Vor und Achterleine fest im Griff, ab und zu umlegen, wenn das Wasser steigt. Darauf achten, dass das Boot gerade liegt und mittig mit dem Fenderbrett an der Schleusenwand anliegt.

Dann ging es hinaus auf den Waal-Maas-Kanal. Welch eine Erleichterung, keine Wellen mehr und kaum Verkehr. Ich genoß das Dahintuckern im Sonnenschein sehr. Entspannt goss ich mir einen Tee ein und holte die Frühstücksbrote heraus.

Nach 10 Kilometern kam eine weitere Schleuse, aber deren Tore standen weit auf, die Ampel war grün. Ich konnte also einfach durchfahren. 

 Dann ging es endlich auf die Maas:

Man merkte sofort, das ist ein Fluß. Schon an der ersten Brücke strudelte das Wasser und meine Geschwindigkeit nahm ab. Also mehr Gas geben, um die 9-10 km/h zu halten. Es war ein wunderschöner sonniger Tag. Der Wind kam von hinten, schob also mit, die Sonne wärmte und blendete. Die Zugvögel säumten die Ufer, Gänse in Pfeilfirmation und Kibitze im Schwarm. Ab und zu ein Schwarm Möwen, Reiher und ein paar Enten. Vor allem die Gänse waren dauernd zu hören, mal am Ufer sitzend, mal schwimmend oder im Landeanflug.

Der erste Ort, Cuik, hatte eine bombastische Kirche, St. Martinus, und ein aus Spundwänden gestaltetes Hafengelände:

 Ich hatte mir ein Tagesziel ausgesucht, aber das war schon um 14 Uhr erreicht. Was schaffe ich noch in zwei Stunden? Hmmm, Venlo bot sich an. Laut Kartenmaterial und Navionics sollte da im Sportboothafen vor der Stadt sogar eine Dieseltankstelle sein. Also weiterfahren. 

Die Sonne neigte sich zum Horizont, nun wurde es wieder kühl. Abwechslung boten die Bauten am Ufer. Hier eine holländische Ferienhaussiedlung. Jeder hat eine oder mehrere Rampen vorm Haus, um Boote aus dem Wasser zu heben.

Ganz sinnvoll bei dem Schwell der Berufsschifffahrt. 

Kurz vor Venlo diese spektakuläre Wolken-Lichtmalerei:

Dann hatte ich den Sportboothafen erreicht, aber Pustekuchen, keine Tanke in Sicht. Ein netter Rudertrainer wies mich darauf hin, dass Winterpause sei. Na da konnte ich auch gleich bis Venlo fahren.

Leider holte mich genau beim Anlegen die schaurige Wolke ein, die schon eine Weile am Himmel hing. Also zwei Leinen fest, Kuchenbude übergestülpt und den Ofen an. Mit dem letzten heißen Tee aus der Thermoskanne einen Grog gebraut und Feierabend. Whau, das waren 73 km mit zwei Schleusen in 9 Stunden.

Marken für den Stromautomaten gibts beim Restsurant „De Werf“. Na da hab ich ja ein Ziel heute zum Abendessen.