Ionische Inseln 14.-15.7.2018

Mistral

Samstag 14.7.2018

Tschüß Sivota

Nach einem ausgiebigem Frühstück im Bakery Café mit griechischem Kaffee, Fruchtsaft und einem Crepes, gefüllt mit Feta und Salat, erledigte ich noch den Einkauf: 2 Tomaten, 1Paprika, 1 Zucchini, 2 Nektarinen und 4 Flaschen Wasser. Das sollte zusammen mit dem, was noch an Bord war, für die nächsten zwei Tage reichen. Gegen 13 Uhr konnte es wieder los gehen. 

Die Häuser hier sehen so gar nicht griechisch aus

Außerhalb der Bucht wehte es schon schön, aus Südwest. Ich wollte nach Meganisi und in einer der Buchten an der Ostseite ankern. Nördlich durch die Enge zwischen Lefkas und Meganisi oder südlich um den langen Haken herum?

Die enge Durchfahrt ist berüchtigt für drehende Winde. Ich entschied mich für das offene Wasser und preschte unter Fock und gerefftem Großsegel nach Südosten. Der Wind drehte etwas, so dass er erst im rechten Winkel von der Steuerbord wehte (Halbwind) und später mehr von hinten kam (raumer Wind). Es hatten sich auch schon Wellen aufgebaut, die ab und zu Schaumkronen trugen.

Im Süden des langen Zipfels von Meganisi liegt eine unbewohnte Insel. Ich überlegte, ob ich dazwischen hindurch segeln sollte. Aber da hätte ich den Kurs so ändern müssen, dass der Wind und die Wellen genau von achtern kommen. Ein ungemütlicher, schwankender Kurs mit geringerer Geschwindigkeit. Und was der Wind dann hinter der grasbewachsenen Insel treiben würde, war nicht vorhersagbar. Ich fuhr außen herum.

Eine Halse im Süden von Meganisi brachte mich auf den Kurs zu den Buchten im Osten. Die Buchten sind tief und es gibt hier viel Seegras. Ich suchte zum Ankern nach einer sandigen Stelle mit maximal 8 m Wassertiefe. Nicht so einfach! Waren doch die schönsten Plätze jetzt am Wichenende schon mit Ausflüglern belegt. Beim ersten Ankerversuch hielt der Anker nicht, als ich rückwärts fuhr. Der helle Fleck da unten war doch kein Sand sondern Reste von Seegraswurzeln.  Aber in der nächsten Bucht klappte es dann.

Ich fand einen Platz etwas abseits der Boote, die sich dicht an dicht vor dem steinigen Strand drängelten. Gegen Abend schlief der Wind wieder ein und auch die Zikaden verstummten.

Sonntag 15.7.2018

Windstille am Morgen, auch noch als ich gegen 11 Uhr startete. Ich wollte durch den Lefkas Kanal nach Preveza. Das waren ca.20 Seemeilen, davon 4 1/2 Seemeilen Kanalfahrt mit Drehbrücke am Ende.

Ich hoffte auf auffrischenden Wind, aber ich fühlte immer nur leichten Fahrtwind von vorn, als ich unter Motor Kurs auf die Enge zwischen Lefkas und  Festland hielt. Eine leichte Brise reichte anderen Seglern zu kreuzen. Aber ich hatte den Jaich von achtern. Er verringerze den kühlemden Fahrtwind so, dass ich schweißgebadet im Cockpit unter meinem Biminiersatz im Schatten saß.

Dann traten die Ufer immer näher, zwei Tonnen markieten die Einfahrt in den Lefkas Kanal. Man sollte sich bei der Port Control melden, bevor man in den Kanal fährt. Aber ich bekam keine Antwort. Ein ganzer Schwung Boote kam aus dem Kanal, ich fuhr gegen 13:30 Uhr hinein. 

Mir erschien der Kanal sehr breit, Platz genug für sich begegnende Boote, einander auszuweichen. Kein Vergleich mit den Kanälen, die ich im Winter befahren hatte.

Rechts und links breiten sich überschwemmte Marschwiesen aus. Dahinter hohe Berge. Der höchste Berg auf Lefkas ist über 1000m hoch.

3,5 Seemeilen waren es bis Lefkas Marina. Laut Handbuch sollte man im Kanal nur 3 kn fahren. Es dauerte also über eine Stunde, bis ich den Mastenwald der Marina erreichte. Ich hatte bis zur nächsten Brückenöffnung um 15 Uhr genug Zeit. Ein Straßendamm trennt Kanal und Meer. Dicht vor der Straße ankerte ich in einer Kanalbiegung mit dem Heckanker, schnippelte mir einen Salat und verspeiste ihn. 10 Minuten vor der Brückenöffnung holte ich den Anker hoch und schloß mich den Booten an, die auf die Brücke zu fuhren.

Die Klappbrücke erwies sich als eine Fähre, deren beide Enden hoch klappten und die sich dann selbst zu einer Uferseite wegdrehte.

Dann noch im Zick-Zack um die Sandbank rum kurven und hinaus aufs Meer!

Das tat gut! Eine leichte Brise wehte und mit dichg geholten Segeln konnte ich hart am Wind direkt Preveza ansteuern, das in 5 Seemeilen Entfernung am rechten Ufer lag. 

Ahhh! Sonntagssegeln! Herrlich. Wir berauscht genoß ich den leichten Wind und die Fahrt. 

Ein bischen Wehmut machte sich da breit, waren das doch jetzt die letzten Meilen mit der Mistral für die nächsten Wochen. Sie kommt fur 6 Wochen an Land. 

Mir raumem Wind bog ich dann in das Fahrwasser nach Preveza ein, rauschte daran vorbei und in den Golf vom Amvrakia hinein. 

Ein kleines Binnenmeer mit flachen Ufern. Auch hier springen, wie in der Lagune von Syrakus, die Fische in die Luft und platschen dann, mit dem Rücken zuerst, ins Wasser.

Ich lag schön ruhig vor Anker, genoß den warmen Wind und den letzten Abend auf dem Wasser.

Mich laust der Affe, eben hab ich eine Robbe gesehen! Gibt es hier Robben oder waf das ein großer Fischotter?

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Windstille, Seenebel und Fallböen auf der Fahrt nach Lefkas 13.7.2018

Mistral

Freitag der 13.

Eigentlich soll man ja nich Freitags auslaufen, schon gar nicht an einem 13. 

Aber das gilt nicht für mich, bin ich doch ein Sonntagskind und am 13. geboren. 

Die vier Ziegen der Bucht (drei weiße, ein schwarzer Bock) begrüßten mich meckernd, als ich heute bei Sonnenaufgang aus dem Salon guckte. Das Cockpit war vom Nachttau pitschnaß. Ganz schön feucht hier auf den Ionischen Inseln!
Da die nächsten Tage Nordwestwind einsetzen sollte wollte ich von der kleinen Insel Antipaxos weg. Nach Lefkas Süden sind es über 40 Seemeilen, also früh aufbrechen, damit nachmittags genug Zeit zum Ankerplatzsuchen bleibt. Tee gekocht, Rührei mit Gemüse zum Frühstück und Anker auf um 7:30 Uhr!

Bei leichter Brise legte ich ab. Sie reichte aber nicht zum Segekn. Also motoren über leicht gekräuseltes Wasser!

Vom Festland her kam eine wriße Wolkenwand. Das sah nach Seenebel aus, wie ich ihn von der Ostsee kannte. Aber da kommt der von See!

Der Nebel kam heran und auch Quietscheentchen schaute besorgt. Wie war das noch? Bei verminderter Sicht, Fahrt verringern und Schallsignal geben. Doch welches?  Ach ja, ich motore, also bin ich ein Maschinenfahrzeug. Alle Minute ein langer Ton von 4 Sekunden Dauer.

Ich legte alle Signalgeber bereit und auch das Funkgerät. Hinter mir war noch eine Motoryacht, leicht an Backbord. Zur Sicherheit drehte ich ein wenig nach Steuerbord und schaltete das AIS ein. 

Und schon kamen zwei Warnungen. Die Yacht hinter mir holte auf und eine Fähre fuhr von Süd nach Nord. Beide hörte ich im Nebel tuten und ich tutete zurück. 

Eine gute Erfahrung. Es funktioniert. Ich konnte die beiden auch ohne AIS orten, nur nach ihren Signalen. 

Manchmal lichtete sich der Nebel, dann wieder zog es sich zu. Der Nebel war so feucht, dass sich Tropfen in den Haaren und an der Brille bildeten.

Gegen 11Uhr war der Nebel weg, nur noch an den Küsten waberte er herum. Im Norden tutete es öfter mal, auch als ich schon lange, das 25 Meilen entfernte Lefkas sehen konnte.

Laut Windvorhersagen sollte heut starker Wind einsetzen, aber es blieb windstill.

Bei diesem glatten Wasser stoppte ich sogar mal das Boot und ging auf offenem Wasser schwimmen. Herrlich! So blau und weich wie da draußen ist das Wasser nirgends

Dichter unter Land wurde das Wasser hellblau! Das kam von der bröckligen Steilküste. Der Sand löste sich im Wasser und hellte das Wasser auf.

Irre, dieses Blau! Ich hatte mir schon einen Strand ausgesucht, vor dem ich ankern könnte, da setzte dich endlich gegen 15 Uhr ein Hauch Wind ein! 

Er steigerte sich langsam und schob das Boot am Leuchtturm vorbei und ums Eck. Dann kam natürlich, was hinter hohen Bergen kommen musste: Fallböen. Und zwar richtig heftige, mit Wellen und Schaumkronen.

Fallböen! Entchen steckt den Kopf unter die Flügel

Ich holte die Genua runter und setzte die Sturmfock. Dazu ein bischen Großsegel. Die Kombination brachte uns sicher durch die kabbelige See an der Südküste Lefkas. 

32 kn Wind!

Mein Ziel war die Bucht Sivota. Ich hatte kaum noch Obst und Gemüse an Bord und außerdem Appetit auf Gaststättenessen.

Bei steifen Böen holte ich in der Buchteinfahrt die Segel runter und motorte hinein. Ich suchte mir einen Liegeplatz mit Bug gegen den Wind und landete am Steg von Yannis. Nagelneue, saubere Mooringleinen wurden mir angegeben, mit denen ich das Boot nach achtern spannte. Die Vorleinen übernahm ich dann von Yannis, der sie schön um die Klampen gelegt hatte. 

Super! Strom und Liegeplatz frei. Das Essen gibt es am Ende des Steges in der Taverne, von der ich einen guten Blick über die sehr volle Bucht habe.

In einem der Souvenirläden habe ich eine griechische Flagge bekommen. Die hisse ich morgen. Ist ja schließlich eine höfliche Geste, die Gastlandflagge an Steuerbord zu führen.

Seglerportrait von mir

Mistral

Beim letzten Treffen mit der „Elmo“ hat Sarah Fotos von mir gemacht und ein paar Fragen gestellt. Sie hatte ein Projekt in Arbeit: Seglerportraits. Wir waren uns einig, dass es toll ist, wie viele interessante Menschen man unterwegs trifft.  Vor allem, hat man Zeit und Lust, sie kennen zu lernen. Und freut sich, wenn man sie wieder trifft. 

Screenshot vom Blog: Hallo Elmo

Jetzt hat sie mein Portrait veröffentlicht unter:

http://halloelmo.de/hallo-susanne-und-mistral

Danke Sarah, auch für das nette Foto! (Auch wenn ich da grad ungekämmt und zerzaust mit dem Dinghy zu Euch rüber kam)

Überfahrt nach Griechenland 10.-11.7.2018

Mistral

Dienstag, 10.7.2018

Ich hatte beschlossen, diesmal frühmorgens zu starten. 150 Seemeilen müssten so zu schaffen sein, dass ich am nachsten Morgen Land sehe und den ganzen Tag Zeit habe, mir einen Ankerplatz zu suchen.

Ich war früh wach, eine schöne Morgenbrise wehte in von Süd. Tee kochen, Ankerleine verlängern. Schiff nach achtern ziehen, Heckanker einholen, Schiff am Buganker nach vorn ziehen, Anker hoch und Segel gesetzt. Um 6 Uhr war ich unterwegs.

Hinterm Kap Rizzuto schlief die Morgenbrise ein. Lange Wellen von Norden ließen das Boot auf seinem Weg nach Osten schaukeln und die Segel schlagen. Ich startete den Motor und ließ ihn so lange mitschieben, bis sich der angesagte SW-Wind durchgesetzt hatte und wir flotter voran kamen. 

Leider drehte der Wind immer mehr auf West. Ich fuhr nach Ost. Damit beide Segel gut standen, musste ich 20° nach Süden von meiner Kurslinie abfallen. Aber eine der Vorhersagen meinte ja, der Wind würde später auf Nordwest drehen. Tat er aber leider nicht, er schlief ein. Also Genua runter und mit Motor weiter. Das Großsegel ließ ich etwas gerefft stehen, damit das Boot stabilisiert wurde und nicht so schaukelte. Ich hatte es gerefft, weil dann die Segelfläche nicht so bauchig war. Denn wenn doch mal wieder eine Welle das Segel schlagen ließ, knallte es nicht so heftig.
Meine drei Abschiedsdelfine kamen wieder vorbei und später ein ganzer Schwarm Bonitas(?).Stundenlang begleiteten sie mich. Immer mal wieder ein silbernes Blitzen unter Wasser und ganz viele dunkle Fischrücken.  Das war lustig und merkwürdig. Ich freute mich jedenfalls, denn sonst war ja nix los.

Ein Segler hatte mich den ganzen Tag begleitet. Im Laufe des Abends kamen wir uns langsam näher. Damit wir nachts mehr Abstand hatten, kreuzte ich seinen Kurs.

Der Wind schlief fast komplett ein. Ich rollte auch das Großsegel ein, bevor es dunkel wurde. Die ersten Sterne wurden sichtbar, zuerst die Venus dann andere. Der Orion stieg nur halb über den Horizont. Zwischen seinen Schultern tauchte dicht überm Horizont ein rotes Licht auf. Hmmm, Stern oder Schiff? Ich startete die Sternenhimmelapp und siehe da: es war der Mars, der so rot strahlte. Später sieg er höher und war ein ganz normaler Stern.

Die Milchstraße spiegelte sich im glatten Wasser. Die Luft war warm und trocken. Herrlich. Sollte ich im Cockpit schlafen? Leider ließen die anrollenden Wellen aus Norden das Schiff immer noch schaukekn. So legte ich mich doch lieber in den Salon, stand alle 15-20 min auf, um Ausguck zu halten. 

Mein Mitsegler und noch ein Segler waren zu sehen und lange Zeit auch sehr helle orange Lichter, eine Bohrplattform? 

Mittwoch 11.7.2018

Gegen Morgen ging erst die schmale Mondsichel auf, dann wurde es im Osten hell und da war doch tatsächlich Land zu sehen.

Korfus hohe Berge konnte ich links von mir am Horizont erkennen. Sie waren noch 32 Seemeilen entfernt. Mein Ziel war aber Paxos. Es dauerte noch 5 Stunden, ehe ich Einzelheiten der Insel erkennen konnte.

Nun gab es auch wieder Telefonempfang und ich sah mir die Bucht Lakka im Norden von Paxos bei Maps an. Uff, die war ja voller Boote. Und auch die Handbücher besagten, dass es da voll wäre.

 Die weißen Klippen der Westseite lockten mich dagegen sehr. Es soll da auch Höhlen geben. Also piep piep piep – dem Autopiloten ein paar Grad Kursänderung eingeben und ich steuerte auf eine faszinierende Küste zu.

Ich konnt ganz dicht ran und fast in eine Höhle hinein fahren. Das Wasser war irre tief. 100m vor der Küste zeigte der Tiefenmesser 70 m an.

 Der ausgewaschene Kalksandstein bildete schöne Gestalten und Skulpturen.

Und oben war die Insel grün! Gesträuch, Pinien und Grasflächen wechselten sich ab.

Ich tuckerte entspannt dahin, im Schatten einer Plane sitzend, die ich an Großbaum und Achterstag so montiert hatte, dass ich zur Küste hin einen guten Ausblick hatte. Sightseeing!

Dass das Gestein ziemlich mürbe ist, sieht man hier an dem frischen Abbruch. Die Ankerlieger davor schwankten mächtig im Seegang. Immer noch diese Welle aus Norden!

Tolle Farben haben Insel und Wasser! 

Beinahe hätte ich eine kleine Bucht für mich allein gehabt, aber sie war ziemlich schmal.

 Das wäre ein anstrengendes Ankermanöver mit Bug- und Heckanker und Landleinen geworden. Außerdem „brüllten“ die Zikaden laut und die Wellen klatschten laut platschend an die Felsen. Nö, heute nicht! Ich war müde und hätte lieber einen offenen Ankerplatz, wo ich nur den Buganker fallen lassen bräuchte.

Dieser einzeln stehende Felsen sieht doch so aus, als wäre er aus der Steilwand gehüpft und hätte das Loch hinterlassen.

Es kommt auf dem Foto nicht so rüber, aber  das Helle, Trichterförmige ist ein Loch im Felsen, das wie von oben gebohrt aussieht. Wenn man am Strand steht, wäre man in einem Zylinder mit einem Durchbruch zum Meer. Leider ist das Wasser davor zu tief zum Ankern, 27 Meter! Und immer noch diese Welle. Wo finde ich einen ruhigen Ankerplatz? 

Ich hatte mir im Südosten Paxos einen kleinen Ankerplatz hinter einer Insel ausgesucht. Aber das Gleiche: da, wo es flach genug ist, kein Platz zum Schwojen, bei mir keine Lust, zwei Anker auszubringen und dazu ein sehr heftiger Wind.

Plan B: Antipaxos. Da gibt es karibische Strände und große Buchten. Leider wissen das alle und so ist das Gedränge dort groß. Yachten dicht an dicht, groß und klein, frei schwojend oder mit Landleinen fest.

Noch eine Bucht weiter und noch eine. Dann hab ich sie gefunden: meine Bucht. Mehrere ältere Schiffe liegen da und eine Megayacht mit 6! Salingspaaren.

Etwas kniffelig, aber ich fand sandigen Grund in ausreichender Entfernung von Land und anderen Schiffen. Fest auf Antipaxos. Nach 34 Stunden und 150 Sermeilen! Juchuuu!

Endlich baden! 

Aber huhhh. Das ist ja kalt. Viel kälter als in Italien. Hmm. Das liegt wohl am tiefen, offenen Meer ringsherum. In Italien war es ja ziemlich flach gewesen.

Egal, hinein! Und nach dem Anker gucken. Alles gut, nur ein kleines Stück vom Schaft guckt raus, der Rest des Ankers hat sich eingegraben. Geschafft. 

„Anleger“, Ausruhen, Blog schreiben….Marina Preveza mit Landstellplatz ist organisiert. Flug nach Deutschland ebenfalls. Noch aber habe ich ein paar Tage und werde die Gegend hier genießen!

Meine Ankerbucht mit vier sehr alten Schiffen, zwei Bavarias und einer Riesenluxussegelyacht. 

Das Ufer sieht toll aus…

…gefaltet…

…ausgehöhlt…

…es macht riesigen Spaß, abends mit dem Dinghy am Ufer lang zu paddeln, zu lauschen, zu riechen, zu beobachten…

Donnerstag, 12.7.2018

Relaxtag, Baden, Wäsche waschen, Rudern, Schwätzchen mit dem Nachbarn Gerd halten, der mit seiner „Dao“ unterwegs ist. Ist das toll hier. Jetzt am Tage kommen die Farben der Bucht erst richtig zum Vorschein.

Die „Dao“ von Gerd vor Anker

Und langweilig wird es nie vor Anker. Sogar große Schiffe fabrizieren Ankersalat:

Ankersalat auf der „Bayesian“

Die Yacht hatte beide Anker unten, die haben sich miteinander verhakt. Das Schiff fährt Kreise, fährt vor- und rückwärts…alle gucken zu und hoffen. Eine Stunde dauert es, dann sind beide Anker oben und sie fährt davon im Abendlicht.

Beim letzten Treffen mit der „Elmo“ hat Sarah Fotos von mir gemacht und ein paar Fragen gestellt. Sie hatte ein Projekt in Arbeit: Seglerportraits. Wir waren uns einig, dass es toll ist, wie viele interessante Menschen man beim Segeln trifft.  Jetzt hat sie mein Portrait veröffentlicht unter:

http://halloelmo.de/hallo-susanne-und-mistral

Und dann liegt hier noch ein Fotograf mit seinem etwas älteren Schiff. Das Schiff heißt „Tales of Sea“ und hier sind sein Blog und die besten Bilder:

Ja, man trifft so viele interessante Menschen. Aber ist nicht jeder Mensch interessant? Ist nicht jeder Mensch Mittelpunkt seines eigenen, riesigen Universums? 

Syrakus und Calabrien 3.7.-9.7.2018

Mistral

Dienstag 3.7.2018

Ich ruderte mit dem Dinghy zur Mündung des Flusses, der ein Delta bildet. Ich hatte mächtig zu tun, da hinein zu kommen. Denn das Flusswasser floß mit viel Strömung in die Bucht. Ein paar Stecken markierten die Einfahrt. Die war aber so eng und flach, dass ich mich wunderte, wie die vielen Motorboote dahin gekommen waren, die an einem Steg vertäut lagen. Doch dann wurde der Fluss breiter.

Hallo! Das sieht ja aus wie in Mecklenburg! Belustigt ruderte ich flußaufwärts. Das Schilf am Ufer raschelte, wenn ein Windhauch darüber glitt. Libellen schwirrten herum. Ich sah schlanke, blaue und sogar eine rote Libelle mit Doppelflügeln. 

Die Ufer waren gesäumt von gelb blühenden Büschen. Das waren ja lustige Blüten, kugelrund und süß duftend.

Ich entdeckte einen, über das Wasser ragenden, Eukalyptusbaum und ruderte unter seinen Ästen her, die eine kleine Höhle bildeten.

Auch hier hingen Blüten zwischen den Blättern.

Immer wieder platschte es, aber so einen springenden Fisch mit der Handykamera zu erwischen, ist ganz schon schwer. Auf dem folgenden Bild sieht man mal einen.

Unter der Wasseroberflache erblickte ich ganze Schwärme von Fischen. 

Danke für den Tipp an Klaus und Birgit von der „Hanta-Yo“.  So ein Naturparadies hätte ich nie mit dem Namen Syrakus verbunden. Toll!

Später las ich, dass der Name der Stadt von dem Wort Sumpf (Syrakka) stammt, da die Stadt nahe am sumpfigen Flußufer gebaut wurde. 

Aber es hatte aufgefrischt und ich mußte mächtig rudern, um gegen den Wind zum Boot zurück zu kommen. Automatisch fing ich an zu zählen. Nach 225 Ruderschlagen hatte ich die „Mistral“ erreicht. Welch ein schöner Morgenausflug.

Das Dinghy zog ich hinterher, als ich nach Syrakus rüber fuhr. Man kann da vor der Stadt ankern, allerdings auf 8-9m Wassertiefe. Es gibt aber auch die Möglichkeit, am Stadtkai anzulegen. Der Wind bließ wieder frisch über die Bucht und baute immer mehr Welle auf. Ich versuchte es trotzdem. 

Ich peilte eine große Lücke zwischen den dort liegenden Schiffen an und bereitete den Heckanker, die Fender und die Vorleinen vor. Als ich einschätzte, die Leine des Heckankers würde reichen wollte ich den Anker hinterm Boot fallen lassen, aber die Kette hatte sich verklemmt. OK, Manöver abbrechen und abdrehen. Mittlerweile hatten sich vom Nachbarboot zwei Männer in Podition gebracht, um meine Leinen anzunehmen. Ein zweiter Versuch, Entfernung abschätzen, Heckanker werfen und Leine nachgeben, dabei dosiert vorwärts fahren. Bei dem starken Wind, schräg von achtern, musste ich noch genug Fahrt im Boot haben, um steuern zu können, aber auch nur so viel, dass ich noch aufstoppen konnte, bevor der Bug den Steinkai berührte. 

Als die Heckankerleine straff kam, konnte Luigi das Boot am Bugkorb halten und Giovanni die Leinen annehmen, die ich dort, überhängend bereit gelegt hatte. Was für ein präzises Manöver. Ich war richtig stolz und nahm dankend die Vorleinen an, die die beiden netten Nachbarn inzwischen durch Ringe gefädelt hatten. Ich machte sie so am Boot fest, dass ich gut übersteigen konnte. Dann zog ich die Ankerleine so stramm ich konnte. 

Ich erfuhr, dass der Liegeplatz gratis wäre, man sich aber in der Capitanerie melden soll. OK, erst mal in Ruhe verschnaufen, Boot klarmachen. Ich ließ die Luft aus dem Dinghy und verstaute es. Dann schloß ich das Boot ab und suchte die Capitanerie. Ich gönnte mir wegen der Hitze einen Eiskaffe und ein Apollo-Panini im Hafencafé.

So gestärkt latschte ich in der Hitze des Nachmittags einmal um das Hafenbecken herum, über eine der Brücken und stand dann vor der geschlossenen Capitanerie. Ein hübscher, weiß uniformierter, junger Mann erklärte, dass das Office erst um 15 Uhr öffnen würde. Noch 1 1/2 Stunden. In der Zeit könnte ich den Einkauf machen und die Stadt besichtigen. 

Zuerst landete ich auf einem Markt und deckte mich mit Obst und Gemüse ein. Dann stieß ich auf die Reste des Apollotempels und entdeckte die engen Gassen der Altstadt.

Malerische Winkel wechselten sich mit maroden Gebäuden ab. Es wird viel gebaut und ausgebessert. So dicht am Meer muss ständig was erneuert werden, da die feuchte Meeresluft gern Putz, Farben und Mauerwerk angreift.

Syrakus‘ Altstadt liegt auf der Insel Ortiga. In der Antike war Syrakus eine der mächtigsten Städte und wurde erst 212 v.Chr. von den Römern erobert. Dabei fiel auch der berühmte Archimedes den römischen Soldaten zum Opfer. Der Überlieferung nach waren seine letzten Worte: „Noli turbare circulos meos“ („Störe meine Kreise nicht“).

Im Museum gibt es eine Ausstellung zu den beiden Genies Leonardo da Vinci und Archimedes. Aber ich wollte das Boot bei der heftigen Welle nicht so lange allein lassen und hatte noch die Modelle von Leonardo da Vinci im Gedächtnis, die ich in Rom gesehen hatte.

Ich schlenderte weiter, bog mal rechts, mal links ab und staunte über die Vielfalt der Häuser und Gassen.

Es gibt tolle, liebevoll gestaltete Innenhöfe:

…einen wundersshönen Springbrunnen, der Artemisbrunnen wo erfrischend dargestellt wird, wie die Göttin Athene Arethusa in eine Quelle verwandelt.

…alte Palazzi, wie den Palazzo Beneventano del Bosco…

….mit vielen tollen Details…

….einen, mit sehr glattem, weißen Marmor gepflasterten Domplatz…Piazza Duomo….

….natürlich mit Dom, Santa Maria delle Colonne (Heilige Maria der Säulen). Der war ursprünglich im 5. Jahrhundert v.C. als Tempel der Athene errichtet worden und erst 900 Jahre später zur christlichen Kirche umgebaut und bekam vor 200 Jahren seine Barockfassade.

Die ​​Nymphe Arethusa wurde mit Hilfe der Göttin Artemis in eine Quelle verwandelt, damit sie sich den Nachstellungen eines Jägers entziehen konnte. Sie wurde zu einer Quelle auf der Insel Ortigia. Daraufhin verwandelte sich der Jäger Alpheios in einen Fluss und fließt unterirdisch zur Insel Ortigia, um sich dort mit Arethusa zu vereinen. 

Diese Quelle, Fonta Aretusa,  ermöglichte die Gründung einer Siedlung und dadurch konnte die Stadt feindlichen Belagerungen standhalten. Die Pflanzen darin sind Papyrusstauden. 

Auf dem Wasser der Bucht tauchten die ersten Schaumkronen auf und ich beeilte mich, zum Boot zu kommen. Ein paar Flaschen Wasser nahm ich noch mit. Dann legte ich wieder ab. Leinenhilfe gab mir diesmal Peter, ein Bulgare. Er erzählte, er hätte zu Hause das gleiche Boot. Schade, ich war schon wieder unterwegs. Das wären sonst sicher nette Gespräche unter Carter-Besitzern geworden.

Als ich die Bucht verließ, lief die „Hanta–Yo“ ein. 

Dann sauste ich flott unter Genua an den bizarren Felsformationen und Höhlen vorbei, die nördlich der Stadt am Ufer zu finden sind. Leider war Gegenlicht, aber ein weiterer Besuch lohnt sich bestimmt.

Die Bucht nördlich von Syrakus ist gespickt mit Raffinerien und Anlegepiers für Tanker.

Ich sauste vorbei in die nächste große Bucht Augusta, die fast vollständig von Molen abgeriegelt ist. Nur an der Nordseite gibt es eine Bucht, wo ich dann ankerte.

Mittwoch 4.7.2018

Ich startete am frühen Morgen zur Überfahrt ans italienische Festland. Aber die Welle, die von Norden kam war dermaßen hoch und bremste, dass ich umdrehte und beschloss, einen Tag zu warten. Um 8:30 Uhr ankerte ich an der gleichen Stelle und machte einen Bootsputztag. Das Wasser war mittlerweile durch das heiße Wetter so warm geworden, dass ich stundenlang, mit dem Schrubber bewaffnet, ums Boot plantschte und damit das Unterwasserschiff von seinem grün-braunen Bewuchs befreite.

Donnerstag 5.7.2018

Die Morgenbrise schob mich 3 Meilen auf See hinaus, dann musste wieder der Motor helfen, damit ich genug Fahrt hatte, um die fast 60 Semeilen lange Überfahrt am Tage zu schaffen. Um 10 Uhf kamen drei Delfine vorbei, schwammen ein paar Minuten vor und neben dem Bug und verabschiedeten sich dann. Oder verabschiedeten sie mich? Tschüß Sizilien!

Unterwegs sprangen ein paar Fische, Bonitos? in die Luft und ließen sich klatschend fallen. Juckt das Fell?

Einen guten Teil der Strecke konnte ich segeln. Ich sah kaum Schiffe, obwohl ich hier doch die Straße von Messina kreuze. Erst dicht unterm italienischem Festland kamen Frachter vorbei. Dieser Containerfrachter ist hoch beladen. Verlier bloß nichts!

Die italienische Küste, Calabrien, ist schön. Weiße Felsen umgeben von braun und grün und bunten Städten.

Um 20:15 Uhr ankerte ich nördlich von Kap Spartivento, froh, diese lange Passage hinter mir zu haben. Der Leuchtturm blinkte freundlich herüber.

Freitag 8.7.2018

Ich wurde früh vom Schwanken des Bootes geweckt. Also holte ich den Anker hoch und segelte gemütlich mit dem leichten Südwind nach Nordosten. 

Die Wettervorhersage hatte Westwind angesagt und als ich die Wolken über die Berge im Westen quellen sah, wußte ich was kommt. Der Südwind ließ nach, Genua runter und Motor an. Mal gucken, was kommt.

Und es kam – mit 25-30kn von den Bergen herunter gepfiffen! Ich entschied mich für die Sturmfock und sauste mit dem kleinen Fetzen Segel mit 5 kn bei Halbwind dahin. Juchuu, war das eine Fahrt. Glücklich beobachtete ich, wie leicht die „Mistral“ mit der richtigen Segelfläche segelt. Die Wellen waren so dicht unter Land nicht hoch. Ab und zu verschnaufte der Wind, und wir fuhren mal nur mit 3 kn. Dann aber holte er wieder aus und pfiff, dass die Gischt von den Wellen flog.

Ich rief in der Marina Roccella Ionica an, um mich anzukündigen und flog dann mit den Wellen auf  den Hafen zu. Das kleine Segel zu bergen, war nicht schwer. 

15:30 Uhr hatte ich 32 Seemeilen gesegelt und war froh, fest am Steg zu liegen. Im Office musste ich entscheiden, wie lange ich bleiben würde und entschied mich für zwei Nächte (70€). Boot klar machen, Fahrrad rausholen und ein wenig die Gegend erkunden, duschen und erholen. 

Samstag 7.7.2018

Morgens ging ich zur Werft rüber und fragte nach Liegeplatzpreise an Land. Da ließ ich am Kompressor auch gleich meine ziemlich platten Fahrradreifen aufpumpen. Dann spülte ich das Boot ab und füllte den Wassertank. Die Mittagspause wurde untermalt von einem Quietschen. Auf dem Zweimaster vom Typ Amel mit belgischer Flagge, die am Kai lag, versuchten die Besitzer, das kleinere der beiden Vorsegel auszurollen. Aber anscheinend wollte das nicht. Einer guckte mit dem Fernglas nach oben, während der andere am Segel zog. Nach ca. einer Stunde ging ich rüber und bot meine Hilfe an. Es waren Spanier, Marisa und Fernando. Sie meinten aber, sie bekämen das hin. Ich wünschte es ihnen und dem ganzen Hafen.

Ich entfernte morsches Holz aus einer der Sitzbänke, als Fernando kam und nach Hilfe fragte. Ob er mich in den Mast hochziehen könne, damit ich die Rolle oben festhielte, während er das Segel rauszieht. Marisa könne wegen Höhenangst nicht hoch und auch nicht ihn hochziehen. Klar, mache ich gerne.

Ich holte meinen Lifebelt, stieg in den Bootsmannsstuhl und wir befestigten ein Fall daran. Dann legte Fernando das Fall einmal um eine Winch am Mast und weiter um die Ankerwinsch. Zur Sicherheit band ich noch eine kurze Leine um den Mast, damit mich der steife Wind nicht wegwehte und als Stopper. Hui eine luftige Höhe war das! Die Marina und der Ort lagen unter mir. Ich musste da oben gar nicht viel tun, nur die Rolle festhalten, an der das Segel oben angeschlagen ist. Fernando entrollte das Segel und holte dann das Fall dicht. Ich gab ihm vor, wieviel er noch ziehen könne. Das war dann wohl auch das Problem. Das Fall war zu lose und die Rolle drehte zu schwer, zog beim Einrollen des Segels das Fall ums Vorstag. Wir rollten das Segel ein paar Mal raus und rein. Alles Bestens!

Als Dank luden mich die beiden für den Abend auf einen Gin Tonic an Bord.

Aber erst einmal strich ich die Backbordseite des Decks, fuhr dann einkaufen (einen guten Supermarkt gibt es oben an der Straße vor dem Ort Rocella Ionica). Dann ging ich so lange schwimmen, bis mir kühl wurde. Eine herrliche Erfrischung nach diesem heißen Tag.

Um 8 Uhr gab es dann den Gin Tonic an Bord der „Caminante“. Wir sprachen zwar englisch aber immer wieder auch spanisch. Woher, wohin, das Boot angucken, Tipps, wo in Griechenland ankern…. Ein lustiger Abend. Und ich lernte ein Sprichwort: „Queso y vino para el camino“ und bekam Käse und Wein mit auf den Weg.

Sonntag 8.7.2018

Am nächsten Morgen startete ich um 8:30, musste aber an der Tankstelle etwas warten und kam erst um 9:30 Uhr los. Statt angesagtem Westwind kam ein frischer Südwind daher und ich ließ die Genua frei. Flott zog die „Mistral“ dahin. Aber bald zog noch jemand, nur schneller, vorbei: die „Caminante“. Fotoshooting und Winken!

Bestimmt sehen wir uns wieder. Ich freu mich drauf.

Ansonsten war es ein anstrengender Segeltag mit vielen Segelmanövern. Die Genua stand gut, aber je nach Windstärke mußte ich das Großsegel reffen, ausreffen oder bergen. Ein paar Fallböen kamen die Berge azs Westen herab, dann drehte der Eind auf Nord, dann auf Ost. Erst kam eine, dann ab und zu mehrere, dann viele hohe Wellen aus Norden zu den Windwellen aus Südost. 

Als dann auch noch Wellen aus Westen dazukamen, war das Wellenchaos perfekt. Zum Glück war der Wind aus Südost stark genug, die „Mistral“ da durch zu schieben. Nur der Anker knallte manchmal in eine der hohen Nordwellen. Den konnte ich aber bei den heftigen Schiffsbewegungen da nicht wegnehmen.

Ich sah viel Plastikmüll im Wasser, an der Oberfläche, aber auch darunter. Planen, Tüten, Verpackungsnetze, Dosen, Schüsseln, Teller, Äste aber auch einen großen Baumstamm. Dann schwamm was Gelbes da draußen rum. 

…ein Quietscheentchen. Das musste ich natürlich retten. Es quietschte, als ich es fing, es quietschte, als ich es griff. Es quietscht immer, wenn ich es drücke. 

Das nächste, was ich fing war ein Planschbecken. Sicher haben die gestrigen Fallböen die Sonntagsurlauber am Strand überrascht und alles ins Meer geblasen, was lose rum lag und leicht genug war.

Dann ließ der Wind nach und die Segel schlugen wie wild in der Welle. Damit macht man sie sicher kaputt, also runter damit und die restlichen 15 Seemeilen bis La Castella motort.

Eine der Quellwolken hatte sich aufs Meer gewagt und regnete sich dort ab. Ich spannte eine Plane übers Cockpit. Dann hörte ich es grummeln. Ich legte die wichtigsten elektronischen Geräte in den Backofen (Faradayscher Käfig) und merkte mir den Kurs am Magnetkompass.

Dann goß es wie aus Kübeln. Der Regen drückte die Wellen platt. Ich saß geschützt hinter Sprayhood ( durch die es durchtropfte) und unter der Plane als es direkt neben mir krachte und blitzte. Whow! Das ging durch und durch! Zum Glück war es nur der Donnerschlag. 

Nach einer Stunde wurde es wieder hell, die Sonne kam durch und malte einen Regenbogen in die Luft neben dem Boot.

In der Abenddämmerung näherte ich mich La Castella. Da gibt es zwar einen Hafen, aber ich wollte davor ankern.

Ich fand auch guten, sandigen Grund und ankerte nordöstlich der Hafeneinfahrt. Da immer noch Welle von Süden kam, der Wind aber nachts einschläft, brachte ich den Heckanker aus. Da das Beiboot schön zusammengerollt im Vorschiff liegt, band ich drei Fender zusammen und hing den Anker daran. Das Paket schob ich schwimmend so weit weg vom Boot, wie die Leine reichte. Dann ließ ich den Heckanker fallen, schwamm an Bord und holte die Leine dicht. Nun liegt das Boot mit dem Bug zur Welle. Die Bewegungen sind viel angenehmer als, wenn das Boot seitwärts rollt. Gute Nacht,!

Tja, es wurde eine laute Nacht. Vom Hotel am Ufer war laute Kinderbespaßungsmusik zu hören. Die wurde um Mitternacht abgelöst durch, hmm, einen Tanzkurs? “ Une, Due, Tre….bla bla bla. …une, due,tre…“

Ich guckte einen Film auf dem Tablet und steckte irgendwann die Ohrstöpsel so fest in die Ohren, dass ich nichts mehr hörte.

 Montag 9.7.2018

Ich war heute faul. Außer diesem langen Blog und ein paar Kleinigkeiten, wie Öl nachfüllen, Radarreflektor reparieren hab ich nur gelesen. Irgendwas steckt in den Knochen. Der anstrengende gestrige Segeltag, die unruhige Nacht, die Unentschlossenheit, wann ich die Überfahrt mache? Mal sehen. Ich hör noch ein bischen auf Bauch und Kopf.

Siziliens Ostküste 2.7.2018

Mistral

Montag 2.7.2018

Am Morgen pumpte ich das Dinghy auf und ruderte los. Zuerst einmal sagte ich „Hallo“ bei der „Hanta-Yo“, einer Ketsch unter deutscher Flagge. Klaus und Birgit baten mich gleich an Bord und bewirteten mich mit Frühstück. Sie kamen von Malta und wollten hier einen Tag Pause machen und dann nach Syrakus. Sie gaben mir wertvolle Tipps zum Ankern dort und erzählten mir von dem Flußdelta, das man mit dem Dinghy befahren kann. Danke!
Dann ruderte ich weiter zur „Rum Truffle“ und sagte „Hallo“. Die Dame des Hauses war aber noch unter der Dusche, so dass ich erst einmal die kleine Insel erkundete.

Traumhafte Farbenspiele und glucksende Geräusche in den Höhlen an der Nordseite der Insel. Ich mag es, da mit dem Boot hinein zu rudern und zu lauschen,  zu gucken und zu riechen. 

Violette Wasserpflanzen am Felsen in Wassernähe, grau-schwarz-braun Schattierungen der Felsen, grüne Algen weiter oben… eine Freude fürs Auge. 

 Jede Welle macht Geräusche, schmatzt, gluckst, zischelt, dröhnt dumpf oder hohl. Und es riecht kühl-feucht nach nassem Stein und Algen.

In einer Höhlenwand entdeckte ich diese schwarzen Steine, Basalt, Vulkangestein, oder was Anderes? Hätte ich vielleicht doch lieber Geologie studieren sollen?

Dann band ich mein Dinghy in einer Minibucht an den Felsen und kletterte auf die Insel. Ich kam nicht weit, da entdeckte ich Abdrücke im Stein. Von einem Nautilus? Ich bekam große Augen.

Es gab viele versteinerte Spuren von uralten Lebewesen im Stein. Vorsichtig setzte ich meine Schritte auf der Insel. Doch weiter oben gab es nur Spuren von Möwen und Tonziegelreste zwischen Gestein und Gesträuch.

Und diese Festung:

Ein wirklich wehrhaftes, schwer zugängliches Gebäude mit einem Leuchtturm im Eck. Auf der Rückseite der Abfluss, zu klein, um die Festung da durch einzunehmen.

Dann noch ein Blick und ein Foto in die Ankerbucht, wo jetzt auch die ersten Touristenboote die Urlauber zu den Höhlen brachten.

Ich wurde von Gina und Mark ganz herzlich willkommen geheißen. Wir freuten uns, endlich mal eine der Facebook-Frauen in Echt zu sehen. Sie und ihr Mann sind unterwegs nach Malta, dann weiter westwärts bis Gibraltar. Gute Fahrt!

Gina machte dann tolle Fotos von der „Mistral“ unter Segeln, als ich gegen 12:30 Uhr ablegte und an ihnen vorbei segelte.

Thank you, Gina for this nice picture.

Ich hatte schönen achterlichen Wind aus Süd, musste aber nach 2 Stunden reffen und tauschte Blister gegen Genua. Nach 30 Seemeilen sauste ich auf Syrakus zu.

Eine Festung bewacht die nördliche Seite der Einfahrt, auf dem südlichen Kap stehen zwei Leuchttürme.

Es pfiff ganz ordentlich und der Wind hatte in der Bucht eine kurze, steile Welle erzeugt. Ich fuhr an der Altstadt vorbei durch das Ankerfeld.

Ich entschied mich aber, weit weg an der westlichen Seite der Bucht im Schutze eines kleinen Kaps zu ankern. In der Abenddämmerung sprangen immer wieder Fische in die Luft. Sie schnellten aus dem Wasser und ließen sich – platscch – mit dem Rücken hineinklatschen. Ob denen das „Fell“ juckte?

Wie unruhig es selbst hier hinter den Minikap war, sieht man gut am Sonnenuntergangsbild.

Siziliens windstille Südküste 29.6.-1.7.2018

Mistral

Freitag 29.6.2018

Eigentlich wollte ich in der Nähe von Licata ankern. Aber trotz Windstille auf dem Meer drehten sich die Windräder oben auf den Bergen sehr schnell und eine unangenehme Welle kam von See. Also in den Hafen hinein, hier soll es möglich sein zu ankern. Bei der Einfahrt zwischen die Hafenmolen überholten mich drei Fischerboote, ankerten drei Angelboote, lagen Netze (Muschelfarmen?) aus und ein Motorbootfahrer zog eine lange Angelsehne hinter sich her. Ich tuckerte ins große Hafenbecken und sah mich nach einem Ankerplatz um. Über Funk rief ich die Guardia Costiera, um mich anzumelden. Wurde von denen aber in die Marina verwiesen: „sailing boat, you have go to the marina!“ Na gut, dann eben in die teure Marina (42€/Nacht). Die hatte wenigstens gekachelte Duschen, wenn in der einen sich auch gerade ein Ameisenstaat gründete. Ich fuhr mit dem Fahrrad die Bootswerften ab um nach einem Stellplatz für 6 Wochen zu fragen. Aber ehrlich, die sahen alle schäbig aus buh! Da würde ich mein Boot nur ungern lassen. Herunterhängende Zäune, rumliegender Müll, vergammelte Boote und Bootsreste. Ich hatte einfach ein schlechtes Gefühl. Mir gefiel es nicht. Der Verkehr zu dicht, die Straßen und Häuser desolat….

Samstag 30.6.2018

Beim Frühstück im Café Libretto auf dem Marinagelände entdeckte ich: juchuu, ein Büchertauschregal. Ich liebe diese Regale. Es ist immer wieder überraschend, auf welche Schätze man hier stößt und ich freue mich auch daran, was Tolles in Büchern steckt, die ich nie kaufen würde oder hier im Ausland kaufen könnte.

An meinem Steg liegt ein altes Segelboot namens „Odyssey“ auf dem drei junge Leute werkelten. Christin, die Dame mit den blauen Handschuhen, Kai und Daniel hatten das Schiff übernommen und brachten es auf Vordermann. Nach ein paar Tipps von Daniel traute ich mich endlich an eine Aufgabe, die ich lange vor mir hergeschoben habe: Impeller wechseln. Der Impeller ist ein mit Flügeln ausgestattetes Gummiteil, das durch dem Motor angetrieben, sich dreht und dabei Seewasser ansaugt, das dem Motor kühlt. 

Wenn ich die Backskiste leer geräumt habe, kann ich an den hinteren Teil des Motors gelangen, der ziemlich verbaut ist. Der Pfeil zeigt auf die Gegend, wo die Impellerpumpe sitzt.

Nachdem ich alle Zulaufventile geschlossen hatte (ja, es gibt auf meinem Boot zwei davon), löste ich den Deckel der Pumpe und öffnete sie. Ein Schwall Seewasser kam heraus. Das Gummiteil mit den Flügelchen, der Impeller, ließ sich leicht herausziehen. 

Ich erneuerte die Dichtung und fettete den neuen Impeller mit Glyzerin ein. Dann setzte ich ihn in sein Gehäuse und verglich mit der Kamera, ob die gebogenen Flügel auch in die gleiche Richtung zeigen, wie beim Alten.

Perfekt! Beim rechtsherum Drehen saugt der Impeller Wasser von unten in den Raum zwischen den Flügelchen und durch Verkleinern des Raumes oben links wird das Wasser nach oben zum Motor gedrückt. Deckel drauf und zuschrauben. Testen, ob beim Starten des Motors Kühlwasser kommt. Naturlich nicht, erst die Zulaufventile öffnen! Aber dann war alles OK. Zwei Jahre hatte das Gummiteilchen zuverlässig funktioniert. Danke!

Ich kaufte noch ein und fuhr mit einem Kanister auf dem Gepäcktrager durch die Stadt, um Diesel nachzufüllen (1,58€/l ).

Dann legte ich um 12 Uhr ab und tuckerte in den windstillen Dunst hinaus. Das einzig Interessante auf dem Weg war eine Ölplattform. 

Pumpen die hier wirklich Öl aus dem Meer? Der weit in die See hinausragende Ölpier mit einem daran vertäuten Tanker, den ich unter Land entdecken konnte, bestätigt es.

Ein leichter, zunehmender Wind schob mich sacht zum nächsten Kap. Nach 32 Seemeilen ließ ich in der Abenddämmerung den Anker in der Nähe des Leuchtturms am Capo Scalambri den Anker fallen. Der Vollmond und der Leuchtturm funkelten gemeinsam in der Nacht.

Sonntag 1.7.2018

Ist das eine arme Gegend hier, die Angler fahren Kajak anstatt Motorboot! Das dachte ich, als ich die ersten paddelnden Gestalten sah, deren Kajaks gespickt mit Angeln.

Die kühle Morgenbrise lockte und ich ging 6:30 Uhr ankerauf. Leider schlief sie gegen 9 Uhr ein und ich tuckerte über spiegelglattes Wasser bis in eine Bucht, wo ich von 10 bis 15 Uhr Mittagspause machte.

 Mir gefällt der Rythmus, Segeln in der kühlen Morgenbrise, Ankern über Mittag. In der heißen Zeit des Tages schwimmen, essen, schlafen, baden und dann in der Abendbrise weitersegeln.

Mit der einsetzenden Brise segelte ich dann an der alten Industrieruine bei Capo Morlina vorbei, eine Ziegelei, die 1924 abgebrannt ist. Die Produktionshalle ist gebaut wie eine Kirche und steht wohl deshalb so stabil seit fast 100 Jahren. Der angeknabberte Schornstein gibt sein Inneres frei, er ist doppelwandig gemauert mit Luftkammern zwischen Innen- und Außenmauer zur Isolierung und Luftzufuhr. 

 Für einen Sonntag war hier auf dem Wasser wenig los. Keine Motorboote, Schlauchboote oder Jetskies unterwegs. Nur drei müde Delfine, die vorbeizogen und ein einzelner Segler, der zu meiner Unterhaltung 😉 versuchte, den großen Lappen, den Code Zero, zu setzen.

Um 18:15 Uhr passierte ich die Isola delle Correnti, den südlichsten Punkt bisher auf meiner Reise. Hier die Koordinaten: 

36° 38,4′ N  15° 4,57′ E

Dann ging es in der Abenddämmerung Nordwärts an der Isola Passero vorbei. Hmm, die sah ja interessant aus, die würde ich morgen gern erkunden!

Es gibt an der Nordseite der Insel eine kleine Ankerbucht. Da lag schon ein Boot und das Wasser war mir zu tief. Das Boot hatte die amerikanische Flagge und einen interessanten Namen. Ich bin in einer facebook-Gruppe von Frauen, die segelnd im Mittelmeer unterwegs sind. Und siehe da, der Schiffsname tauchte da auf. Ich schickte Gina das obenstehende Foto und fragte, ob sie das da sei. Und ja, endlich mal eine der bisher nur  virtuellen Frauen in Echt treffen. Das wär ja toll. Ich nahm mir das für morgen vor.

Zwischen Insel und Stadt ist eine Sandbank, dahinter ankerte ich so dicht unter Land, dass ich nachts in den Genuß des Konzertes kam, das am Ufer stattfand. Schöne softige Musik und kein Animationsgeschrei. Ein schöner Abend, verdient nach 37 Seemeilen.